Der Eifersüchtige als Beichtvater. 281
Jüngling dort hörte, kleine Steine oder Holzstückchen solange dort hindurch, bis der Jüngling, um zu sehen, wasdies wäre, einst hecbeikam. Ganz leise ries sie ihn nunbeim Namen, und er, der ihre Stimme erkannte, ant-wortete ihr. Nun hatte sie Gelegenheit, und in der Kürzeeröffnete sie ihm ihr ganzes Gemüth. Der Jüng-ling, hierüber äußerst erfreut, sorgte dafür, daß von seinerSeite das Loch größer gemacht wurde, immer jedoch so,daß Niemand es bemerken konnte; und hier sprachen siesich denn nun häufig und reichten sich die Hände; alleinweiter konnten sie bei der strengen Wache des Eifersüchti-gen nicht gelangen.
Das Weihnachtsfest nahete jetzt heran, und die Frausagte zu ihrem Manne, wenn es ihm gefalle, wolle sieam Morgen des Festtages in die Kirche gehen, beichtenund communicicen, wie alle übrigen Christen es thäten."— „Und was für Sünden hast Du denn begangen,"entgegnete ihr der Eifersüchtige hieraus, „daß Du beichtenwillst?" — „Wie?" erwiderte die Frau, glaubst Du, ichsei eine Heilige, weil Du mich so eingekerkert hälst? Duweißt, ich habe meine Sünden so gut wie jeder Andere,der auf Erden lebt; aber Dir will ich sie nicht sagen,denn Du bist kein Priester."
Aus diesen Worten schöpfte der Eifersüchtige Argwohnund dachte nun darüber nach, wie er erforschen könnte,was für Sünden sie begangen hätte, bis ec auf ein Mittelverfiel, wie ihm dies gelingen möchte, und er jerwiderte,daß ec damit zufrieden sei; allein er wolle nicht, daß siezu einer andern Kirche gehe, als zu ihrer Kapelle, undzwar den Morgen ganz früh, um bei ihrem Kapellan,oder einem andern Priester, den der Kapellan ihr zuwiese,zu beichten, bei keinem Dritten aber, und daß sie dannsogleich nach Hause zurückkehce. Die Frau glaubte ihnzur Hälfte verstanden zu haben, und versprach, ohne et-was Anderes zu entgegnen, daß sie cs so halten wolle.
Als der Morgen des hohen Festes erschien, stand die