Der Brunnen des Tofano. 275
verdienst." Nun fing die Frau cm, ikrn um Gottes Liebewillen zu bitten, daß er so gut sein möchte, ihr aufzu-machen; denn sie käme nicht von daher, von wo erglaubte, sondern sie habe bei einer Nachbarin gewacht, diein den langen Nachten nicht schlafen könne und auchnicht allein im Hause wach bleiben. Ihre Bitten halfenihr jedoch nichts, denn jener rohe Tölpel war entschlossen,daß alle Einwohner von Arezzo ihre Schmach erfahrensollten, welche bis dahin Niemand gewußt hatte.
Als die Frau sah, daß das Bitten nichts half, nahmsie zum Drohen ihre Zuflucht und sprach: „Machst Dumir nicht auf, so will ich Dich zum unglücklichsten Men-schen machen, der am Leben ist." — „Was kannst Dumir thun?" entgegnete Tofano hierauf.— Die Frau, wel-cher Amor bereits mit seinen Rathschlagen den Geist ge-schärft hatte, erwiderte ihm: „Ehe ich die Schmach dulde,die Du mir unverdient erweisen willst, eher stürze ichmich in diesen Brunnen, der hier nahe bei ist, und wennich dann hier todt gefunden werde, so wird Niemand an-ders glauben, als daß Du in Deiner Trunkenheit michhineingestürzt habest; dann wirst Du entweder fliehenmüssen und verlieren, was Du besitzest, und in der Ver-bannung leben, oder man wird Dir als meinem Mörder,wie Du es dann wirklich gewesen sein wirst, den Kopfabschlagen." — Doch auch diese Worte entfernten denTofano nicht von seinem thörichten Entschluß. Deshalbrief die Frau denn aus: „Nun sieh, ich kann Dein wi-derwärtiges Beginnen nicht länger ertragen. Gott verzeiheDir: laß meinen Wecken wegnehmen, ich lasse ihn hier."
Dies gesagt, ging sie durch die Nacht, welche so fin-ster war, daß man sich kaum einander auf der Straßesehen konnte, zu dem Brunnen hin, ergriff einen mächti-gen Stein, der unten an der Einfassung lag, rief nocheinmal: „Gott verzeihe mir!" und ließ den Stein dannin den Brunnen hinabfallen. Dieser machte, indem erdas Wasser erreichte, ein gewaltiges Geräusch, das Tofano