268 Siebenter Tag. Dritte G-schichre.
nicht um zu glänzen, sondern blos um die Kälte abzu-wehren. Allen diesen Verirrungen möge Gott steuern, wiees der Seele der Thoren, die sie nähren, Noth thut.
So war denn unser Bruder Rinaldo wieder zu seinenfrühem Wünschen zurückgekchrt, sing wieder an, die Ge-vatterin häufig zu besuchen und, als ihm der Muth wuchs,mit heftigerem Dringen als zuvor, sie um Das zu ersuchen,was er von ihr wünschte. Die gute Frau, welche sich nun sobedrängt sah, und der Bruder Rinaldo jetzt vielleicht hüb-scher schien als zuvor, flüchtete eines Tages, als sie sichwieder sehr von ihm verfolgt sah, zu Dem, wohin alleDiejenigen flüchten, welche den Wunsch haben, Das zu be-willigen, warum sie gebeten werden, und sprach: „Wie,Bruder Rinaldo, thun denn auch) Mönche dergleichen?" —Hierauf entgegncte der Pater: „Madonna, werfe ich nurdie Kappe von mir, was ich ganz leicht vermag, so scheineich Euch gewiß ein Mensch wie jeder Andere und wahr-lich kein Mönch mehr." Die Frau spitzte den Mund,als wollte sie lachen, und erwiderte: „Weh mir Armen,Ihr seid ja mein Gevatter, wie ginge das an? Das Un-recht wäre zu groß, und ich habe oft gehört, daß auchdie Sünde allzu schwer ist, und fürwahr, wenn dasnicht wäre, so thäte ich, was Ihr wollt." — „Ihr seideine Thörin," entgegncte Rinaldo hierauf, „wenn Ihr esdarum nicht thun wollt. Ich sage nicht, daß es nichtsündlich sei; aber größere Fehler vergibt Gott, wenn mansie bereut. Nun aber sagt mir, wer ist näher mit EuremSohne verwandt, ich, der ich ihn über die Taufe hielt,oder Euer Mann, der ihn erzeugte?" Die Frau erwi-derte: „Allerdings ist mein Mann ihm näher verwandt."— „Ihr sagt richtig," erwiderte der Mönch; „und wie,schläft nun Euer Mann etwa nicht bei Euch?" — „Al-lerdings," erwiderte die Frau. „Nun denn," sprach derMönch, „so kann auch ich, der ich mit Eurem Sohnviel weniger verwandt bin, als Euer Mann, bei Euchschlafen, so gut wie dieser."