Die Besprechung der Würmer. 267
wieder wie sonst an, sich an glanzender Kleidung und fei-nen Stoffen zn gefallen, in allen seinen Sachen zierlichund geschmückt zu erscheinen, Canzonen, Sonetten und Balka-ren zu dichten, Lieder zu singen und lauter ähnliche Dingezu treiben.
Doch was rede ich von unserm Bruder Rinaldo, vondem wir hier sprechen? Wo sind die Mönche, die esnicht ebenso treiben? O Schmach unserer verdorbenenWelt! Sie scheuen sich nicht mehr, dick und fett undhochroth im Gesicht zu erscheinen, weichlich in ihren Klei-dern und in allen übrigen Dingen auszutreten, und nichtwie Tauben, sondern wie stolze Hahne mit erhobenemKamme und aufgeblasener Brust einher zu schreiten, undwas noch schlimmer ist, (denn wir wollen hier übergehen,daß sie ihre Zellen voll von Krügen mit Latwergen undSalben, voll von Schachteln mit mancherlei Confect, vollCaraffen und Phiolen mit wohlriechenden Wassern undOelen, mit Flaschen voll Malvasier, griechischen und an-dern kostbaren Weinen haben, sodaß diese weniger -Mönchs-zellen, als Spezerei- und Salbenläden gleichen, wenn mansie so ansieht), ja, was schlimmer ist als dies, sie scheuensich nicht mehr, daß Andere es erfahren, daß sie die Gichthaben, und glauben zuversichtlich, kein Mensch wisse, daßdie Fasten, die einfachen und mäßigen Speisen und dasnüchterne Leben den Menschen mager, beweglich und mei-stens gesund halten, und daß, wenn er ja davon krankwird, er wenigstens nicht an der Gicht leide, der man alsKur die Enthaltsamkeit und Alles, was sonst zu der Le-bensweise eines bescheidenen Mönchs gehört, vorzuschreibenPflegt. Sie glauben nicht, die Welt wisse, daß, außerder Mäßigkeit, auch die langen Nachtwachen, das Gebetund die Geißelung den Menschen blaß und niedergeschlagenmachen, und daß wahrlich weder Sanct Dominicus nochSanct Franciscus vier Kappen für eine besaßen, und sichnicht in hochfeine und köstlich gefärbte Tücher kleideten,sondern in solche von grober Wolle und natürlicher Farbe,
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