262 Siebenter Lag. Zw eite'Geschichte.
damit Niemand hereinkommen könne, der ihr zu schaffenmachte."
Peronella, die den Mann hörte (denn sie kannte ihnschon an der Art des Klopfens) rief aus: „Weh mir,mein Gianello, ich bin verloren; da ist mein Mann, denGott verderbe, der heimkehrt, und ich weiß nicht, wasdas bedeuten soll; denn im Leben kehrt er sonst nicht zudieser Stunde heim, und vielleicht hat er Dich gar gese-hen, als Du eintratcst. Aber um Gotteswillen, wie esdamit auch sei, verbirg Dich in diesem Bottich, den Dudort siehst, und ich will ihm aufmachen, und wir wollendann' sehen, was es mit diesem Heimkehren so früh amMorgen zu bedeuten hat."
Gianello war flink in den Bottich, Peronella aberging zur Thür, öffnete dem Mann und sagte mit zorni-ger Miene zu ihm: „Nun, was ist das für eine Neuig-keit, daß Du heute Morgen so früh nach Hause kommst?Wie es scheint, hast Du heute nicht Lust, irgend etwaszu thun, da ich Dich mit Deinem Werkzeug in der Handzurückkommen sehe. Wenn Du es so machst, wovon sol-len wir leben, wo wollen wir Brot hernehmen? GlaubstDu, ich werde ja dazu sagen, daß Du mir meinen Nockversetzest und meine übrigen armen Kleider? Ich, die ichTag und Nacht nichts thue, als spinnen und spinnen, sodaß ich mir das Fleisch schon von den Fingern weggespon-nen habe, um wenigstens so viel Oel zu haben, daß un-sere Lampe davon brennen kann. O Mann, Mann, keineNachbarin ist umher, die sich nicht darüber wundert undmich zum Besten, hat, über die Beschwerniß und Mühe,die ich trage, und nun kehrst Du mir nach Hause zurückmit baumelnden Händen, während Du an der Arbeit 'seinsolltest." Und dies gesagt sing sie an zu weinen und riefvon Neuem: ,;Wehe mir, Unglücklichen, weh mir Betrüb-ten, die ich zu übler Stunde geboren bin und die ich zumeinem Unglück hieher gerietst! Einen Jüngling vonStand und Vermögen hätte ich haben können, und ich