258 Siebenter Tag. Erste Geschichte.
das, liebster Gianni, sind doch die heiligsten Wesen aufder Welt, und Gott mags Dir für mich sagen), als siemich so furchtsam sah, mir eine heilige und treffliche Be-schwörungsformel gelehrt, und mir versichert, daß sie sieoft erprobt habe, che sie Einsiedlerin geworden, und daßsie ihr immer genützt. Aber Gott weiß, ich allein würdenie den Muth gehabt haben, sie zu versuchen; doch jetzt,wo Du hier bist, laß uns gehen und das Gespenst be-schwören."
Gianni erwiederte, cs wäre ihm recht, und nachdemsie nun aufgestanden waren, schlichen sie sich beide leise zuder Thür, wo Federigo, schon etwas argwöhnisch, draußennoch wartete. Hier angekommen, sprach die Frau zu Gianni:„Jetzt mußt Du ausspucken, wenn ich es Dir sagen werde."— „Gut," sagte Gianni, und nun begann die Frau dieBeschwörung und sprach: „O Nachtgespenst, o Nachtge-spenst, das Du des Nachts umwandelst; mit steifemSchweife kämest Du, mit steifem Schweif gehst Du wegvon hier; geh in den Garten; am Psirsichbaum, da fin-dest Du ein fett Gericht und hundert Stuhlgänge meinerHenne: die Flasche setze an den Mund und hebe Dichfort, und lhue mir nichts und meinem liebsten Gianni."Dies gesagt, sprach sie zu dem Mann: „Nun spucke,Gianni," und Gianni spuckte.
Federigo, welcher draußen stand und dies hörte, warmit einem Mal aller Eifersucht ledig, und fühlte trotz sei-nes Trübsinns so herzliche Lust zum Lachen, daß er sichnicht halten konnte, und als Gianni ausspuckre, sprach erleise: „Spuck die Zähne aus!"— Als die Frau das Ge-spenst auf diese Weise dreimal beschworen hatte, kehrte siemit ihrem Manne zu Belt zurück. Federigo, der mit ihrzu speisen gehofft und darum nichts gegessen hatte, verstanddie Worte der Beschwörungsformel wohl, ging in denGarten, und fand am Fuß des großen Psi'rsichbaums diebeiden Kapaune, den Wein und die Eier, die er mit sichnach Hause nahm und dort gemächlich verzehrte. Dann