Der Ehebrecher als Gespenst. 257
wo möglich keinen Argwohn zu erwecken, lhat sie, alsschliefe sie fest. Fedecigo wartete einen Augenblick undklopfte dann zum zweiten Mal. Gianni hierüber verwun-dert, stieß die Frau ein wenig und sprach: „Tessa, hörstDu es denn nicht auch? es scheint man pocht an unsereThür." Die Frau, die das Pochen noch besser gehörthatte, that als erwache sie aus tiefem Schlafe, und ant-wortete: „Was sprichst Du?" — „Ich sage," crwiederteGianni, „daß es mir schien, als werde an unsere Thürgepocht." — „Gepocht?" fragte die Frau, „Weh mir,liebster Gianni, weißt Du nicht, was das ist? DasGespenst ist es, vor dem ich alle diese Nachte her diegrößte Furcht gehabt habe, die man nur haben kann, sodaß ich, sobald ich es hörte, sogleich den Kopf unter dieDecke steckte und nicht den Muth gehabt habe, ihn her-vor zu ziehen, als bis es Heller lichter Tag war." —„Gehe," entgegnete Gianni hieraus, „wenn das auch ist,so darfst Du nicht Furcht haben/ Frau. Ich habe vor-hin das Iuo>8" und „lntainei'utn" gesprochen, undviele andere gute Gebete, als wir zu Bette gingen, undhabe das Belte auch von einer Ecke zur andern im Na-men des Vaters und des Sohnes und des heiligen Gei-stes gesegnet, und darum hast Du nichts zu fürchten;denn, was das Gespenst auch vermögen mag, uns kannes nicht schaden." —
Die Frau, um Federigo nicht zu anderm ArgwohnAnlaß zu geben und sich so vielleicht mit ihm zu Über-werfen, überlegte, daß cs das Beste sei, aufzustehen undihm bemerklich zu machen, daß Gianni da sei, und des-halb sprach sie zu dem Mann: „Gut, Du magst DeineGebete sagen, ich aber halte mich nicht eher für sicher undgerettet, als bis wir es beschworen haben, da Du einmalbei mir bist."— „Und wie beschwört man das Gespenst?"fragte Gianni. — „Die Beschwörung verstehe ich;" ant-wortete die Frau, „denn als ich vorgestern nach Fiesolezur Jndulgenz ging, hat eine jener Eindsiedlerinnen (und