256 Siebenter Tag. Erste Geschichte.
er nach einer seiner Besitzungen, die etwas höher hinauflag, ginge oder davon zurückkehrte, in einem Weinberg,der zur Seite ihres Hauses lag, auf den Schädel einesEsels Acht geben, den er auf einem jener Weinpfähle be-merken würde. Wenn dieser alsdann mit der Schnauzenach Florenz sähe, solle ec ihm andeuten, daß er sicherund ohne Fehl die folgende Nacht zu ihr kommen könne;fände er alsdann die Thür nicht offen, so möge er drei-mal leise anpochen, worauf sie ihm sogleich öffnen würde.Sähe ec aber die Schnauze des Esels nach Fiesolc gewen-det, so sollte er nicht kommen, weil dann Gianni dortsein würde.
Auf diese Weise fanden sie sich denn oft und häufigzusammen. Doch unter andern Malen geschah es aucheinst, daß, während Federigo mit Frau Tefsa, welche zweifette Eapaunen hatte bereiten lassen, speisen wollte, Gianni,der nicht erscheinen sollte, ganz spät doch noch cintraf.Die Frau war trostlos hierüber, und er und sie speistennun etwas Salzfleisch, das sie nebenher hatte kochen lassen,indeß sie von der Magd in einem weißen Tafeltuch diebeiden gesottenen Kapaunen, nebst vielen frischen Eiernund einer Flasche guten Weins in den Garten tragen ließ,in den man gelangen konnte, ohne das Haus zu berüh-ren, und wo sie gewohnt war, bisweilen mit Federigo zuessen. Alles dies befahl sie ihr, am Fuß eines Pfirsich-baumes, der neben einer kleinen Wiese stand, niederzusetzen.Und so heftig war der Zorn, den sie empfand, daß fienicht daran dachte, der Magd zu befehlen, so lange zuwarten bis Federigo erschiene, und ihm zu sagen, daßGianni gekommen sei, und daß er diese Sachen im Gar-ten zu sich nehmen möchte.
Deshalb waren sie und Gianni denn kaum zu Bettegegangen und die Magd gleichermaßen, als Federigo insHaus kam, und leise einmal an die Thür pochte, welcheihrer Schlafkammer so nah war, daß Gianni es augen-blicklich vernahm und die Frau ebenso; doch um in Gianni