Der Ehebrecher als Gespenst. 255
dere ähnliche Aemtchen, die ihn nicht wenig mit sich selbstzufrieden machten. Alles dies geschah aber, weil er alsein wohlhabender Mann den Mönchen häufig gute Mahl-zeiten gab; die nun wieder, weil der Eine Strümpfe, derandere einen Mantel, der dritte ein Scapulier von ihmbekamen, ihn mancherlei gute Gebete dafür lehrten, ihmdas „Vater Unser" übersetzt gaben und das Lied vom hei-ligen Alexius, den Klaggesang des heiligen Bernhard, dasLoblied der Donna Mathilda und anderes ähnliches Ge-wäsch, das er sehr hoch hielt und zum Heil seiner Seeleäußerst sorgfältig aufhob.
Dieser Mann nun hatte eine schöne und reizende Frau,welche Monna Tessa genannt wurde, und die Tochter desMannuccio della Euculia war, eine äußerst gescheite undumsichtige Frau. Die Einfalt ihres Mannes war ihr be-kannt, und da sie in Fcderigo di Neri Pegolotti, einenschönen und blühenden Jüngling, so wie er in sie, ver-liebt war, so richtete sie es mit einer Dienerin ein, daßFederigo sich zum Zwiesprach mit ihr an einem gar schö-nen Ort einfand, welchen besagter Gianni in Eameratabefaß, und wo sie sich den ganzen Sommer über aufhielt,wahrend Gianni hier zuweilen zum Essen und zur Her-berge erschien und am Morgen wieder zu seinem Ladenund bisweilen zu seinen Sangbrüdern zurückkehrte. Fede-rigo, dem dies über die Maßen erwünscht kam, ergriffeines Tages die Zeit, die ihm vorgefchrieben war, und ver-fügte sich gegen Abend hinauf, wo er, da Gianni dieganze Nacht nicht erschien, gemächlich und in großer Lustmit der Geliebten speiste und bei ihr herbcrgte, indeß siein seinem Arme ruhend ihm die Nacht hindurch wohl sechsvon den Lobgesängen ihres Mannes lehrte.
Doch da sie nicht die Absicht hatte, daß dies so dasletzte Mal sei, wie es das erste gewesen war, und Fede-rigo eben so wenig, so verabredeten sie, um nicht jedesMal die Magd nach ihm ausschicken zu dürfen, folgendesVerhalten unter einander: er solle nämlich jeden Tag, wenn