242 Sechster Tag. Zehnte Geschichte.
Laurentius falle. Darum nämlich ließ Gott mich statt derFeder, die ich mit mir nehmen wollte, die gebenedeitenKohlen ergreifen, die durch den Saft ausgelöscht wurden,der von jenem hochheiligen Leibe niedertroff, weil es seineAbsicht war, daß, indem ich Euch die Kohlen vorzeige,mit denen er einst geröstet ward, ich in Euren Herzendie fromme Verehrung neu entzünde, die Ihr diesen Mär-tyrer schuldig seid."
„Drum, meine Kinder, die Gott segnen möge, nehmtEure Mützen ab, und tretet in Ehrfurcht und AndachtAlle heran, diese Kohlen zu schauen. Vorher aber solltIhr wissen, daß Wer mit diesen Kohlen in dem Zeichendes Kreuzes berührt ist, während des ganzen folgendenJahres sicher ist, daß kein Feuer ihm auch nur so vielanhaben kann, daß er cs fühle."
Nachdem er also gesprochen und einen Lvbgesang aufden heiligen Laurentius gesungen, öffnete er das Kästchenund zeigte die Kohlen. Eine Zeit lang beschattete sie dieeinfältige Menge mit ehrfurchtsvollem Erstaunen; baldaber drängten sie sich ungestüm um den Bruder Eipolla,und verlangten, unter viel größeren Opfern, als sie sonstzu geben gewohnt waren, inständig daß er einen Jedenmit den heiligen Kohlen berühre.
In Folge dieser Bitten nahm Bruder Eipolla einejener Kohlen nach der anderen zur Hand, und malte ihnenauf ihre Jacken und weißen Kamiföler, und den Weibernauf ihre Kopftücher so große Kreuze, als nur irgend da-rauf Platz hatten. Dabei versicherte er. sie, daß, wie erschon oftmals erfahren, eben so viel als von diesen Kohlendurch das Aufmalen der Kreuze abgerieben werde, in demKästchen von selbst wieder nachwachse.
So machte Bruder Eipolla nicht ohne seinen erhebli-chen Nutzen die Bewohner, von Certaldo zu Kreuzesritkern;Denjenigen aber, die ihm, einen Possen zu spielen gedach-ten, indem sie seine Feder ihm Wegnahmen, spielte erdurch seine Geistesgegenwart einen eben so großen. Beide