Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
241
Einzelbild herunterladen
 

Bruder Cipolla u. d. Kohlen d. h. Laurentius. 241

Übersetzung und einige Capitel des Capreti'um, die er schonlange zu haben gewünscht hatte, abließ, so thcilte er auchmir von seinen heiligen Reliquien mit. Er schenkte mireinen der Zahne des heiligen Kreuzes, ferner in einemzierlichen Fläschchen ein wenig Glockenklang vom Salamo-nischen Tempel, sodann die Feder des Engel Gabriel, vonder ich Euch schon gesagt habe, einen der Holzschuhedes heiligen Gherardo von Villamagna, den ich erst ganzvor Kurzem in Florenz dem Gherardo von Donsi, der einegroße Ehrfurcht davor hegt, gegeben habe. Endlich aberschenkte er mir einige von den Kohlen, mit denen derhochheilige Märtyrer Sanct Laurentius geröstet ward."

Alle diese heiligen Gegenstände führe ich nun an-dächtig bei mir, und habe sie auch sämmtlich hier amOrte. Indessen hat mein Oberer bis jetzo und bis ihreAechtheit nicht dargelhan wäre, mir niemals gestattet,sie vorzuweisen. Jetzt aber hat er sich theils durch einigeWunder, die sie bewirkt haben, und theils durch Briefe,die er von dem Patriarchen empfangen, überzeugt, daßsie sind, wofür sie mir gegeben wurden, und mir deshalbdie Erlaubniß ertheilt, sie zu zeigen. Und so sehr bin ichbesorgt, sie einem Anderen anzuvertrauen, daß ich sie über-all mithinnehme; namentlich verwahre ich die Feder desEngel Gabriel, damit sie keinen Schaden nehme, in einemKästchen, und die Kohlen, mit denen der heilige Lauren-tius gebraten ward, in einem anderen. Nun sind diesebeiden Kästchen einander so ähnlich, daß ich schon öfterdas eine mit dem andern verwechselt habe, und so ist mirdenn auch heute geschehn. Während ich glaubte, das Käst-chen mitgebrachl zu haben, in dem sich die Feder befindet,habe ich das andere, mit den Kohlen des heiligen Lauren-tius, ergriffen. Aber ich halte dafür, daß dies keineswegesein zufälliger Jrrthum, sondern daß cs vielmehr sicherlichcine Fügung Gottes gewesen sei, welcher meine Hände dasKästchen mit den Kohlen ergreifen ließ, um mich dadurchzu erinnern, daß in zweien Tagen das Fest des heiligenDekameron. II. 11