Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
239
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Bruder Cipolla u. d. Kohlen d- h. Laurentius. 239

der Pflicht, ein fauler Wicht, und was er soll, das thuter nicht." — Ohne indeß die Farbe zu wechseln, erhobBruder Cipolla Äugen und Hände gen Himmel und sagte,so, daß ihn Alle vernahmen: „O Gott, gepriesen sei im-merdar Deine Allmacht!" Dann machte er das Kästchenwieder zu und sagte, zum Wolke gewendet:

„Ihr Herren und Ihr Frauen, Ihr muffet wissen,daß ich zu einer Zeit, wo ich noch sehr jung war, vonmeinem Oberen in jene Länder geschickt wurde, wo dieSonne aufgeht. Dabei war mir der ausdrückliche Auf-trag ertheilt, den Porzellanprivilegien nachzuforschen, welchestempeln zu lassen zwar nichts kostet, die aber dennoch an-deren Leuten von weit größerem Nutzen sind, als uns. Zudiesem Ende machte ich mich von Venedig aus auf denWeg, passirte die Vorstadt Griechenland und ritt danndurch das Königreich Algarbien über Bagdad nach Pa-rierte, von wo ich nicht ohne beträchtlichen Durst nachSardellien gelangte. Doch zu was soll ich Euch die Län-der, die ich durchreist habe, einzeln aufzählen? Genug,ich setzte über den Arm des heiligen Georg und kamnach Lügeland und Trügeland, welche Gegenden von zahl-reichen Völkern dicht bewohnt sind. Von hieraus erreichteich Täuschcnhausen, woselbst ich viele von unseren Kloster-geistlichen und eine Menge von Mönchen anderer Ordenantraf, welche sämmtlich die Beschwerden um Gottes wil-len mieden, und so lange sie nur ihren Vortheil dabeifanden, sich um fremde Mühseligkeiten wenig kümmerten,auch in jenen Ländern nie anderes Geld ausgaben, alsungeprägtes. Demnächst gelangte ich in das Land derAbruzzen, wo Männer und Frauen in Holzschuhen aufdie Berge klettern und' die Schweine mit ihren eigenenKaldaunen bekleiden. Nur wenig weiterhin traf ich Leute,welche das Brod an Stöcken und den Wein in Säckentrugen. Von diesen kam ich dann in das Wurmgebirge,wo alles Wasser abwärts fließt, und in Kurzem drangich dort so weil vorwärts, daß ich nach pastinakisch In-