Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
238
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238 Sechster Lag. Zehnte Geschichte.

denn, nachdem Me zu Mittag gegessen hatten, im sehn-süchtigen Verlangen, die Feder zu sehn, so viel Männerund Weiber in dem Burgflecken zusammen, daß sie kaumdarin Platz fanden. Bruder Cipolla erhob sich indeß, nachdemer gut zu Mittag gegessen und demnächst ein wenig ge-schlafen hatte, bald nach drei Uhr von seinem Lager undließ, auf die Nachricht, daß schon eine große Menge von Land-leuten hecbeigeströmt sei, um die Feder zu sehn, dem Guc-cio Schmuzsink sagen, er möge mit den Glöcklein hinauf-kommen und den Qucrsack mitbringen. Nur mit Mühe ver-mochte dieser sich von der Küche und dcr Nuta loszureißen;doch that er es, und langte keuchend und außer Athem mit denbegehrten Gegenständen oben an, weil das viele Wassertrin-ken ihm den Leib so aufgetrieben hatte. Dann stellte ersich auf das Geheiß des Bruder Cipolla an die Kirchthürund läutete seine Glöcklein nach Kräften. Bruder Cipollaaber begann, wie ec alles Volk beisammen sah, ohne ir-gend zu bemerken, daß Jemand über seinen Sachen ge-wesen war, die Predigt und sagte gar Vielerlei, das ihmfür seine Absichten dienlich schien. Als es nun endlich soweit war, daß er die Feder des Engel Gabriel zeigen sollte,sprach er zuerst mit großer Feierlichkeit das Consiteor, dannließ er zwei Wachsfackeln anzünden, nahm sich die Capuzeab, wickelte langsam den Taffent auf und zog das Käst-chen hervor. Hierauf sagte er noch einige Worte zumLob und Preise des Engel Gabriel und seiner Reliquieund öffnete alsdann das Kästchen.

Wie er dies mit Kohlen gefüllt sah, siel ihm nichtetwa ein, daß Guccio Trampelthier ihm das gethan habenkönnte; denn er wußte zu wohl, daß Der zu so etwasnicht den Witz halte. Auch verwünschte er ihn nicht,daß er das Kästchen nicht besser vor den Händen Anderer,von denen dieser Streich ausgegangen war, gewahrt hatte;auf sich selbst aber fluchte er im Stillen, daß er die Ob-hut seiner Sachen dem Guccio anvertraut hatte, von demer doch selber wußte, wie er war:Unbedacht, ein Feind