234 Sechster Tag. Zehnte Geschichte.
einander gelacht hatten, setzten sie sich vor, dem Mönche,obwol sie gut mit ihm befreundet waren und viel mitihm verkehrten, in Betreff dieser Feder einen Streich zuspielen. Sie hatten erfahren, daß Bruder Cipolla an jenemMorgen auf der Burg bei einem seiner Freunde speiste;sobald sie ihn also bei Tische wußten, gingen sie hinunternach der Landstraße, wo das Wirthshaus lag, in dem je-ner abgestiegen war. Hier sollte nach ihrer Abrede Biagiosich mit dem Diener des Bruder Cipolla in ein Gesprächeinlaffen, wahrend Giovanni unter den Sachen des Mön-ches nach der Feder suchen und sie, was immer für einDing es auch sein möchte, mitnehmen wollte, damit sicsahen, wie er sich nachher vor dem Volke herausredenwürde.
Bruder Cipolla hatte einen Diener, den Einige Guc-cio Trampelthier, Andere Guccio Schmuzsink, noch An-dere aber Guccio Sauigel nannten. Dieser war nun einso jämmerlicher Wicht, daß es nicht wahr ist, wenn mansagt, Lippo Topo habe jemals ebenso einfältige Streichegemacht. Bruder Cipolla spaßte oft über ihn gegen seineBekannten, und dann pflegte er wol zu sagen: „MeinDiener hat neun Eigenschaften solcher Art, daß wenn einevon ihnen, gleichgültig welche, sich an Salomo, Aristote-les, oder Seneca fände, sie hinreichen würde, um derenTugenden, Weisheit und heiligen Wandel völlig wecthloszu machen. Denkt Euch also, welch ein Mensch Dersein muß, in welchem sich, obwol er weder Tugend, nochWeisheit, noch heiligen Wandel besitzt, jene Eigenschaftenalle neun beieinander befinden." Da man ihn nun nichtselten frug, was für neun Eigenschaften das denn seien,so hatte er einen Vers daraus gemacht, der also lautete:
> Ein LügenmaulIst er und faul,
Werbest in TrutzUnd reich an Schmuz;