Bruder Cipolla u. d. Kohlen d. h. Laurentius. 235
Stets voll VerdachtUnd unbedacht;
Ein Feind der Pflicht,
Ein grober Wicht,
Und was er soll, das thut er nicht.
„Außerdem," pflegte Bruder Cipolla zu sagen, „hater noch einige andere Fehlerchen; doch die wollen wir mitdem Mantel der christlichen Liebe zudecken. Was indeßan seinen seltsamen Manieren das Spaßhafteste ist: in je-dem Dorfe, wohin er geräth, will er ein Weib nehmenund ein Haus miethen, und, so lang und schwarz undschmuzig auch sein Bart ist, bildet er sich dennoch ein, soschön und so anmuthig zu sein, daß seiner Meinung nachalle Frauenzimmer, die ihn zu Gesichte kriegen, sich inihn verlieben, und ließe man ihn gewähren, so liefe erAllen nach und verlöre Gürtel und Kragen. Einraumenmuß ich indeß, daß er mir vielfach sehr behülflich ist;denn, so geheim auch Jemand mit mir zu reden habe, soist er immer auf dem Platze, um sich sein Theil davonabzuhorchcn; und wenn ich vorkommenden Falles um et-was gefragt werde, so ist er so besorgt, ob ich auch aufdie Antwort gerüstet sei, daß er jedes Mal sich vordrängtund alsbald ja, oder nein für mich antwortet, wie es ihmeben gut dünkt."
Diesen hatte Bruder Cipolla im Wirthshaus zurück-gelassen und ihm angelegentlich anbefohlen, darauf zuwachen, daß Niemand seine Sachen, besonders aber seinenQuersack anrühre, weil sich darin heilige Gegenstände be-fänden. Guccio Schmuzsink indeß weilte überhaupt lieberin der Küche, als die Nachtigall auf grünem Zweige;am liebsten aber, wenn er dort irgend eine Magd wit-terte. Nun hatte er in der Wirthsküche solch ein Frauen-zimmer zu sehn bekommen, die dick un fett und klein undmisgestaltet war, ein Paar Brüste hatte, wie zwei Mist-