Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
233
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Bruder Cipolla u. d. Kohlen d. h. Laurentius. 233

Messe in der Hauptkirche versammelt waren, trat er, alses ihm an der Zeit schien, hervor und sagte:

Ihr Herren und Ihr Frauen, wie Ihr wisset, istes Euer Brauch, alljährlich den armen Dienern des hoch-adlichen Heiligen Herrn Antonius von Eurem Korn undvon Eurem Walzen, der Eine wenig, der Andere viel, jenach dem Vermögen und der Frömmigkeit eines Jeden, zuspenden, damit dieser gebenedeite Heilige Eure Ochsen undEure Esel, Eure Schweine und Eure Schafe in seinenSchutz nehme. Außerdem pfleget Ihr, insbesondereaber pflegen Diejenigen unter Euch, welche in unsereBrüderschaft eingeschrieben sind, den kleinen Beitrag zuentrichten, den man einmal im Jahre zu bezahlen hat.Um nun das Eine und das Andere einzufordern, bin ichvon meinem Oberen, nämlich dem Herrn Abte, hierhergesandt. So möget Ihr denn zu diesem Ende unter demSegen Gottes heute Nachmittag nach drei Uhr, wenn Ihrdie Glöcklein lauten hört, hier außerhalb der Kirche Euchversammeln, woselbst ich Euch die gewohnte Predigt hal-ten und Euch das Kreuz zum Kusse reichen werde. Au-ßerdem aber will ich, da mir bekannt ist, wie inbrünstigeVerehrer des hochadlichcn Heiligen Herrn Antonius IhrAlle seid, Euch zu besonderer Gunst eine schöne und hoch-heilige Reliquie zeigen, die ich vor Zeiten selber aus demheiligen Lande jenseits des Meeres hergebracht habe. Die-ses ist nämlich eine der Federn des Erzengel Gabriel, welchederselbe in der Stube der Jungfrau Maria verloren hat,als er nach Nazareth zu ihr kam, um ihr zu verkündi-gen." Mit diesen Worten schwieg er und las seine Messeweiter.

Unter den vielen Andern, die sich, während BruderCipolla diese Sachen vorbrachte, in der Kirche befanden,waren auch ein Paar junge Leute, von denen der EineGiovanni del Bragoniera, der Andere aber Biagio Pizzinigenannt ward: beides durchtriebene Käuze. Als diese nunüber die Reliquie des Bruders Eipolla eine Weile mit-