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2 (1843)
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Sechster Tag. Zehnte Geschichte.

cs mir gefallt, zu erzählen, so gedenke ich mich doch heutenicht von dem Gegenstände zu entfernen, den Ihr sämmt-lich in Euren Geschichten gar angemessen besprochen habt;vielmehr will ich, in Eure Fußtapfen eintretend, erzählen, wiegeschickt einer der Mönche des heiligen Antonius durch eineschnell ersonnene Auskunft der Verhöhnung entging, diezwei junge Leute ihm zu bereiten gedachten. Laßt es Euchdabei nicht verdrießen, wenn ich, um die Geschichte gehö-rig zu erzählen, mich im Reden etwas ausführlicher ergehe;denn, wollt Ihr nach der Sonne sehn, so werdet Ihr be-merken, daß sie noch auf halber Höhe steht.

Wie Ihr vielleicht gehört haben werdet, ist Certaldoein Burgflecken der florentiner Landschaft, im Elsathalbelegen, und öbwol cs an Umfang nur klein ist, war esdoch einst von eidlichen und bemittelten Leuten bewohnt.Weil er nun hier vorzügliche Weide traf, pflegte ein Mönchdes heiligen Antonius, welcher Bruder Cipolla hieß, langeZeit hindurch jährlich einmal hier vorzusprechen, um dasAllmosen einzusammeln, das die Kurzsichtigen jenen Mön-chen gewähren; und vielleicht war er nicht weniger umseines Namens willen, als wegen sonstiger Frömmigkeitwillkommen, da die Umgegend jenes Städtchens Zwiebelnhervorbringt, welche durch ganz Toscana berühmt sind.

Bruder Cipolla war untersetzter Gestalt, röthlichenHaares und munteren Gesichtes; dabei der abgefeimtesteSpitzbube von der Welt, und obwol er keinerlei Unter-richt genossen, wußte er doch trefflich uzid ohne langesBesinnen zu sprechen, sodaß wer ihn nicht kannte, ihnnicht allein für einen großen Redekünstler gehalten, sondernihn dem Tullius selber, oder dem Quinctilian an dieSeite gesetzt haben würde. Auch war er von Allen inder Umgegend Gevatter, oder Freund, oder guter Bekann-ter. Eines Males nun, als er im Augustmonat, seinerGewohnheit zufolge, nach Eertaldo gekommen, und alleguten Männer und Weiber der umliegenden Dörfer zur