Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
229
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Guido Cavalcanti bei den Gräbern. 229

Bürger der umliegenden Straßen sich versammelten unduntereinander eine Gesellschaft von bestimmter Anzahl bil-deten. Dabei hatte man Acht, nur Solche aufzunehmen,welche die Kosten füglich bestreiten konnten, und heuterichtete der Eine für die ganze Gesellschaft eine Mahlzeitaus, morgen der Andere, und so der Reihe nach weiter,daß Jeden sein Tag traf. Häufig erwiesen sie bei diesenZusammenkünften auch ausgezeichneten Fremden eine Ehre,wenn deren nach Florenz kamen, oder sie luden auch wolEinheimische dazu. Auch hielten sie wenigstens einmal imJahre gleichförmig gekleidet einen Umzug, und ritten anden vorzüglichsten Tagen gemeinsam durch die Stadt. ZuZeiten veranstalteten sie Waffenfpiele; so namentlich anden Hauptfestcn, oder wenn die Nachricht von einemSiege, oder einem sonstigen frohen Ereigniß eingekroffenwar.

Unter diesen Gesellschaften war auch die des MesserBetto Brunelleschi, in welche sowol Messer Betto alsseine Gefährten Guido, den Sohn des Messer Eavalcantede' Eavalcanti, zu ziehn, vielfach und nickt ohne Grund sichbemüht hatten. Zu geschweige» nämlich, daß Guido einerder besten Denker auf der Welt war, und ein vorzüglicherKenner der natürlichen Philosophie, Eigenschaften, umwelche die Gesellschaft sich wenig kümmerte, war er einergötzlicher Gesellschafter von den besten Sitten und vor-züglicher Redegabe, und was sich immer für einen Edel-mann zu thun geziemte, das wußte er auch, wenn er csunternahm, besser zu machen, als irgend ein Anderer.Dabei war er äußerst reich, und von Wem er sich über-zeugt halte, daß er es werth sei, den wußte er zu ehren,mehr als sich mit Worten sagen läßt. Dem Messer Bettohatte es i'ndeß nie gelingen wollen, ihn für ihre Gesell-schaften zu gewinnen, und Betto, wie seine Gefährten,suchten den Grund davon darin, daß Guido, nicht seltenganz in seine Gedanken vertieft, den Umgang mit denMenschen mied. Und weil er sich ein wenig zu der Mei-