Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
228
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228 Sechster Tag. Neunte Geschichte.

froh werden willst, ja niemals im Spiegel." Sie aber,die hohler war, als ein Schilfrohr, und an Weisheit demSalomo zu gleichen vermeinte, begriff den Stich des Fresconicht besser, als ein Widder gethan haben würde, underwiderte, sie gedenke sich ebenso gut im Spiegel zu be-fehlt, als die Anderen.

So verharrte sie denn ferner in ihrer Einfalt undthut es heute noch."

Neunte Geschichte.

Guido Cavalcanti sagt einigen florentiner Edelleuten, die ihnüberrascht hatten, in versteckter Weise die Wahrheit.

Als die Königin gewahr ward, daß Emilie sich ihrerPflicht bereits entledigt halte, und daß mit AusnahmeDessen, der das Vorrecht genoß, seine Geschichten bis zu-letzt zu »ersparen, nur ihr noch zu erzählen oblag, begannsie also zu reden:Obgleich mir von Euch, Ihr anmu-thigen Mädchen, heute schon zwei oder mehr Geschichtenweggenommen sind, von denen ich die eine oder andere zuerzählen gedachte, so ist mir doch eine noch übrig geblie-ben, deren Schluß ein bitteres Wort enthält, wie bisjetzt vielleicht noch keines von so tiefem Sinn mitgetheiltward.

Ihr müße nämlich wissen, daß vor Zeiten in unsererStadt gar manche schöne und lobenswerthe Gebräuche be-standen, von denen uns leider kein einziger geblieben ist,weil sie von dem Geize, der sich bei uns mit den Reich-thümern fortwährend gemehrt hat, einer nach dem andernvertrieben sind. So war es unter Anderem gebräuchlich,daß an verschiedenen Orten von Florenz die angeseheneren