Cesca und ihr Spiegel-
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gegnen; sie aber hielt sich so hoch und so erlesen, das esihr zur Gewohnheit geworden war, Männer und Frauen,und was immer ihr vor die Augen kam, zu tadeln, ohnedaß sie dabei sich selber nach rechtem Maße gewürdigt hätte.Dadurch wurde sie denn mehr als irgend eine Andere un-bequem, widrig und übcrlästig, da es unmöglich war,irgend etwas ihr recht zu machen. Bei dem Allen warsie so hochmüthig, daß selbst, wenn sie zum Stamme Karl'sdes Großen gehört hätte, es dennoch zu viel gewesen wäre.Und wenn sie über die Straße ging, war ihr jeden Au-genblick irgend Was nicht gelegen, so daß sie nicht auf-hörte, die Nase zu rümpfen, als ob von Jedem, den siesähe, oder der ihr begegnete, unleidlicher Gestank sie an-wehete.
So manche ihrer mißliebigen und widerwärtigen Ma-nieren zu geschweige», geschah es indeß eines Tages, daßsie voll von ihren Unleidlichkeiten nach Hause zurückkehrteund, während sie sich dort neben Fresco niedersetzte, in Ei-nem fort vor Aerger schnaufte. Darum sagte Fresco:„Was hat das zu bedeuten, Cesca, daß, während heuteFesttag ist, Du schon so frühe nach Hause gekehrt bist?"Sie aber antwortete mit der albernsten Ziererei: „Ja frei-lich bin ich früh gekommen; denn ich glaube sicherlich, daßin dieser Stadt noch niemals so viel widerwärtige undunausstehliche Männer und Frauen beisammen gewesensind, als ich deren heute getroffen habe. Da geht dochauch nicht Einer über die Straße, der mir nicht zuwiderwäre, wie das böse Wesen. Weil ich aber fest überzeugtbin, daß in der ganzen Welt keine Frau ist, der es soverhaßt wäre, unausstehliche Leute zu sehn, als mir, binich, um diesem Anblick zu entgehn, so früh nach Hausegekommen."
Fresco, dem das hochfahrige Betragen seiner Nichteauf das äußerste verhaßt war, antwortete: „Mein Kind,wenn die unausstehlichen Leute Dir so widerwärtig sind,als Du sagst, so besieh Dich, wenn Du Deines Lebens