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2 (1843)
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Sechster Tag. Achte Geschichte.

Achte Geschichte.

Fresco räth seiner Richte, niemals in den Spiegel zu sehen, wenn,unausstehliche Leute zu sehn, ihr so widerwärtig sei, als sie sage.

i^)ie Geschichte, die Philostratus erzählt hatte, regte inden Herzen der zuhörenden Mädchen anfangs ein wenigScham, wovon die sittsame Rothe, mit der ihre Wangensich färbten, Zeugniß gab; allmälig aber schielte Eine nachder Anderen, und sie hörten dem Verlauf der Geschichtelächelnd zu, des lauten Lachens nur mit Mühe sich ent-haltend. Als endlich der Erzähler zum Schlüsse gediehenwar, wendete die Königin sich zu Emilien und gebot ihr,sortzufahren. Diese aber begann tiefaufathmend, nichtanders, als ob sie erst eben vom Schlafe erwachte:Ihrholden Mädchen, da eine Reihe von Gedanken, die garVieles in sich begreifen, mich eine lange Weile fern vonhier entführt hat, so werde ich, unserer Königin gehorchend,mit einer viel kürzeren Geschichte mich meiner Schuld ent-ledigen, als ich vielleicht gethan haben würde, wenn meinGeist hier gegenwärtig gewesen wäre. In dieser Geschichteaber will ich Euch die thörichte Verkehrtheit eines Mäd-chens berichten, die durch einen beißenden Einfall ihresOnkels gehörig wäre gestraft worden, wenn sie nur hin-längliche Einsicht gehabt hätte, um ihn zu verstehn.

Ein Mann also, welcher Fresco da Celatico hieß, hatteeine Nichte, die man abkürzungsweise nur Cesca zu nen-nen pflegte. Obwol nun diese recht hübsch von Gestaltund von Gesichtszügen war, so konnte man sie doch nichtzu jenen Engclsbildern zählen, denen wir nicht selten be-