Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
225
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Die Strafe des Ehebruchs in Prato. 225

diesen Gründen ein arges Gesetz nennen. Wollt Ihr in-des, meinem Leben und Eurem Gewissen zum Schaden,Euch dazu hergeben, dessen Vollstrecker zu sein, so stehtdies in Eurem Belieben; bevor Ihr jedoch weiter vorschrei-tet und irgend ein Urtheil fallet, ersuche ich Euch, daßIhr mir die kleine Gunst erzeiget, meinen Mann zu fra-gen, ob ich jedes Mal, und so oft es ihm beliebte, ohneeinmal nein zu sagen, ihm seine volle Lust an mir ge-währt habe, oder nicht?"

Ohne die Frage des Podesta abzuwarten, antworteteRinaldo hierauf alsbald, daß die Frau ihm allerdings aufjedes Begehren volle Befriedigung seiner Wünsche gestat-tet habe.Wohlan denn," fuhr sogleich die Dame fort,so frage ich Euch, Herr Podesta was ich, wenn er zujeder Zeit sich genommen hat, wessen ec bedurfte undwessen ihn gelüstete, mit Dem machen sollte oder nochsoll, das ec übrig laßt? Soll ich es vielleicht den Hun-den vorwerfen? Oder ist es nicht besser, es einem Edel-mann zu gewahren, der mich mehr liebt, als sich selber,statt es verloren gehen und umkommen zu lassen?"

Es waren zu diesem Verhöre einer so ausgezeichnetenund namhaften Dame fast sammtliche Bewohner von Pratoherbeigekonimen; Alle aber riefen, als sie diese ergötzlicheFrage vernahmen, nach vielem Gelachter, wie aus einemMunde, daß die Dame Recht habe und wohl spreche.Bevor sie also noch von dort sich entfernten, verändertensie auf Anrathen des Podesta jenes unbillige Gesetz undbestimmten, daß es in Zukunft nur von den Frauen ver-standen werden solle, welche für Geld sich gegen ihre Män-vergingen.

So verließ denn Rinaldo, beschämt über sein thörichtesUnternehmen, das Gericht; die Dame aber kehrte fröhlichund frei, als wäre sie vom Scheiterhaufen erstanden, sieg-reich in ihr elterliches Haus zurück."

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