Cisti, des Bäckers, weißer Wein. 209
Weine zu trinken gekriegt hatte, nahm eine große Flascheauf den Weg. Als Cisti diese gewahr ward, sagte er:„Mein Sohn, Messer Geri schickt Dich nicht zu mir."Zwar versicherte der.Diener wiederholentlich, daß es sichwirklich so verhalte; da ec indeß von Cisti keine andereAntwort erlangen konnte, kehrte er zu Messer Gerizurück und berichtete ihm Cisti's Worte. Messer Gerierwiderte: „Gehe nur noch einmal hin und sage, daßich allerdings Dich schicke, und wenn er Dir dann wie-der so antwortet, so frage ihn, wohin er denn sonstglaubt, daß ich Dich schicke." Zu Cisti zurückgekom-men, sagte der ,Diener: „Gewiß, Cisti, Messer Gerischickt mich doch zu Dir." Darauf antwortete Cisti:„Gewiß, mein Sohn, er thut es nicht." „Nun," sagteder Diener, „wohin schickt er mich denn sonst?" „ZumArno," entgegnete Cisti.
Der Diener berichtete diese Antwort dem Messer Geri,und sobald dieser sie vernahm, gingen ihm die geistigenAugen auf, und er sagte zum Diener: „Laß mich dochdie Flasche sehen, die Du hingetragen hast." Als er siegesehen hatte, fügte er hinzu: „Cisti spricht die Wahr-heit." Dann schalt er den Diener und hieß ihn eineangemessenere Flasche nehmen. Kaum erblickte Cisti diese,so sprach er: „Nun sehe ich wohl, daß er Dich zu mirschickt," und füllte sie ihm bereitwillig. Noch an dem-selben Tage aber ließ ec ein Faßlein voll ähnlichen Wei-nes füllen und dies in der Stille dem Messer Geri insHaus tragen. Bald darauf ging er dann selber zu ihmund sagte: „Herr, ich wünschte nicht, daß Ihr glaubtet,die große Flasche von heut Morgen habe mich erschreckt.Es schien mir nur, als ob Ihr vergessen hättet, wasich Euch durch meine kleinen Krüglein früher angedeutethatte, nämlich, daß dies kein Wein für Bediente sei,und darum wollte ich Euch heut früh daran erinnern.Weil ich aber nicht mehr der Wächter meines Weines