Eisti, des Bäckers, weißer Wein. 207
Obgleich nun Fortuna diesem Manne ein gar bescheidenesGewerbe beschicken, so war sie doch insofern ihm günstiggewesen, daß er überreich geworden war, und deshalb, ohnesein Geschäft gegen irgend ein anderes vertauschen zuwollen, mit erheblichem Aufwands lebte. Insbesondereaber führte er, neben anderen guten Dingen, stets diebesten weißen und rothcn Weine, die in Florenz oder inder Umgegend nur irgend zu finden waren. Wie nunCisti jeden Morgen Messer Geri und die Gesandten desPapstes vor seiner Thür vorübergehen sah, meinte er, daßes bei der damaligen großen Hitze eine willkommene Auf-merksamkeit wäre, wenn er ihnen von seinem guten Weiß-wein zu trinken gäbe; zugleich aber gedachte er des Unter-schiedes zwischen seinem Stande und dem des Messer Geri,und so schien es ihm wieder nicht ziemlich, daß ec sichherausnehme, ihnen zu Trinken anzubieten. Daher er-sann er sich ein Mittel, das Messer Geri bewegen sollte,sich selber einzuladen.
Zu dem Ende setzte er sick jeden Morgen gegen dieStunde, zu welcher er Messer Geri mit den Gesandtenerwarten zu können glaubte, mit einer schneeweißen Jackeund einer frisch gewaschenen Schürze bekleidet, sodaß ereher einem Müller, als einem Bäcker ähnlich sah, vorseine Hausthür und ließ einen neuen verzinnten Eimervoll frischen Wassers und ein kleines, gleichfalls neues,Krüglein seines guten weißen Weines nebst zwei Bechern,so blank, daß sie von Silber schienen, vor sich hinstellen.Wenn er sie dann kommen sah, begann er, nachdem erein oder zweimal den Mund sich nusgespült hatte, mitsolchem Ausdrucke des Behagens von diesem seinen Weinezu trinken, daß er wol selbst einem Tobten Appetit ge-macht hätte. Nachdem Messer Geri dies den ersten undden zweiten Morgen mit angesehen hatte, sagte er amdritten: „Nun Cisti, wie ist er; ist er gut?" Cisti er-hob sich sogleich und antwortete: „Herr, gut ist er; wiegut aber, kann ich Euch nicht deutlich machen, wenn Ihr