Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
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206
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206 Sechster Tag. Zweite Geschichte.

begabt war, hatte Fortuna ihn doch nur zum Bäcker ge-macht. In der That ich würde deshalb die Natur undFortuna gleichmäßig verwünschen, wüßte ich nicht sonst,daß die Natur in allen Dingen verständig ist, und daßFortuna, wenngleich die Thörichten sie blind vorzustellenpflegen, dennoch tausend Augen hat. So glaube ich denn,daß Beide in jenem Falle sehr weise, nicht anders zuWerke gehen, als auch die Sterblichen oftmals thun, in-dem sie nämlich wegen der Ungewißheit der zukünftigenEreignisse, zu besserer Sicherheit ihre werthvollsten Sachenan den unscheinbarsten Orten ihres Hauses, als den un-verdächtigsten, vergraben, um sie alsdann bei dringendenBedürfnissen hervorzuholen, wo dann jener verachtete Orkbesser zur Verwahrung diente, als das schönste Gemachgethan shaben würde. Ebenso verbergen auch die beidenDienerinnen der Welt häufig ihre werthvollsten Gegen-stände unter den Schatten der am niedrigsten geachtetenGewerbe, damit ihr Glanz, wenn jene sie, wo es Nochthut, zu Tage bringen, um so leuchtender erscheine.Wie Eisti, der Bäcker, dies in einer geringfügigen Sachebewährt, und Herrn Geri Spina die Augen vernünftigerEinsicht eröffnet habe, gedenke ich Euch in einem kleinenGeschichtchen zu erzählen, das mir bei der eben von Ma-donna Oretta mitgetheilten in den Sinn kam, weil diesedie Gemahlin jenes Geri war.

Ich sage also, daß, als Papst Bonifaz wegen gewisserAngelegenheiten von großer Bedeutung einige Edelleute alsseine Gesandten nach Florenz geschickt hatte, und diese imHause des Messer Geri Spina, der bei dem Papste invorzüglich großem Ansehen stand, abgestiegen waren undmit ihm über die Geschäfte ihres Machtgebers verhandelten,aus was immer für einem Grunde es geschah, MesserGeri mit diesen Abgesandten des Papstes, sämmtlich zu Fuße,fast jeden Morgen vor der Kirche Santa Maria Ughivorübergingen, neben welcher Eisti, der Bäcker, seine Back-stube hatte und in eigner Person seinem Handwerke oblag.