Cisti, des Bäckers, weißer Wern. 205
daß seine Worte weder dem Charakter der Personen nochden erzählten Ereignissen irgend entsprachen. Der MadonnaOretta brach über dieses Erzählen der Angstschweiß aus,und es wurde ihr beklommen ums Herz, als ob sie krankwäre. Endlich aber konnte sie es nicht mehr aushalten,und da sie gewahr ward, daß der Edelmann in die Tintegeralhen war und sich nicht wieder heraus fand, sagte siescherzhaft: „Messers, Euer Pferd ist ein schlimmer Hart-traber; drum bitte ich Euch, lasset mich wieder absteigen."Der Edelmann, der zum Glück geschickter im Verstehen,als im Erzählen war, fühlte den Stachel und kehrteihn zu Scherz und Heiterkeit; dann aber wandte er sichzu anderen Geschichten und ließ die eine, die er begonnenund schlecht ausgeführt hatte, unbeendigt."
Zweite Geschichte.
Eisti, der Bäcker, bringt durch eine beißende Antwort Herrn Gerizur Einsicht wegen eines unbescheidenen Begehrens.
Großes Lob erthcilte jedes der Mädchen und jeder derjungen Männer dem Einfall der Madonna Oretta; dieKönigin aber gebot Pampineen in gleicher Weise fortzu-fahren, worauf diese also begann: „Ich für mein Thcilwüßte nicht zu entscheiden, ihr schönen Mädchen, welchevon Beiden größerer Tadel trifft, ob die Natur, wennsie einer edelen Seele einen misgestalten Körper bereiter,oder Fortuna, wenn sie einem Körper, in welchem eineedle Seele wohnt, ein niedriges Gewerbe überweist, wiewir das Letzte an unserem Mitbürger Cisti und an man-chen Anderen sich zutragen zu sehen Gelegenheit gehabthaben. Obgleich nämlich Cisti mit einem hohen Sinne