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Sechster Lag. Erste Geschichte.
darüber zu sagen; wol aber will ich, um Euch zu zeigen,wie viel Hübsches in einem guten Einsall zur rechten Stundeliegt, Euch berichten, wie eine Dame geschickt einem Edel-mann Stillschweigen zu gebieten wußte.
Noch ist es nicht lange Zeit her, daß, wie Manchevon Euch aus eigner Erfahrung wissen, oder doch vonAnderen vernommen haben können, in unserer Stadt eineEdeldame weilte, die von erlesenen Sitten und der Redekundig war. Da ihre rühmlichen Eigenschaften nicht ver-dienen, daß ihr Namen verschwiegen werde, will ich Euchberichten, daß sie Madonna Oretta hieß und des MesserGeri Spina Gemahlin war. Nun geschah es zufällig, alssie einmal, so wie wir eben auch thun, auf dem Landeverweilte, daß sie mit mehren anderen Damen und Edelleuten,welche sie an jenem Tage bewirthet hatte, zu ihrem Ver-gnügen von einem Orte zum anderen lustwandelte. Daindeß die Entfernung von dem Platze, von welchem sieauszegangen waren, zu dem Ziele, welches sie sammtlichzu Fuß zu erreichen beabsichtigten, vielleicht etwas großwar, so sagte ein Edelmann aus der Gesellschaft: „Ma-donna Oretta, beliebt es Euch, so will ich Euch einengroßen Theil des Weges, den wir noch vor uns haben,durch eine wunderschöne Geschichte so sehr verkürzen, daßIhr glauben sollt, Ihr säßet zu Pferde." Darauf ant-wortete die Dame: „Nicht nur beliebt es mir; sondernich bitte Euch gar sehr darum, und es soll mir höchstwillkommen sein."
Der Herr Ritter, der seinen Degen vielleicht auchnicht besser zu führen wußte, als zum Erzählen seineZunge, fing nach dieser Erlaubniß eine Geschichte an, diean sich in der That gar schön war, die er aber auf dasjämmerlichste verdarb, indem er bald das gleiche Wortvier oder sechs Mal wiederholte, bald auf das schon Gesagtezurückkam, bald sich mit dem Ausruf: „Nein, das Hab'ich falsch erzählt," unterbrach, bald endlich die Namenfalsch sagte, oder untereinander verwechselte; zu geschweige«,