Der Geliebte von Mann und Frau. 195
zu haben, nicht zu lassen wußte, faßte sie Muth undsagte: „Freilich glaube ich. Du wünschtest, daß ein Feuervom Himmel siele und uns Alle verzehrte; denn ich weißwohl, Du hast uns Weiber so lieb, wie der Hund denKnüttel. Aber beim Kreuze Gottes, so gut soll Dir'snicht werden. Willst Du aber einmal Rechnung machen,so möchte ich doch wissen, über was Du Dich beschwerenkannst. Willst Du mich mit Ercolano's Frau vergleichen,so kann ich mir das wol gefallen lassen. Das ist einealte Betschwester und Heuchlerin, und ihr Mann gewahrtihr, was sie haben will, und halt sie, wie eine Frau zuhalten ist. Mit mir aber verhalt es sich anders. Gesetztauch, ich wäre gut bekleidet und beschuht, so weißt Duselbst am besten, wie es um das Andre steht, und wielange es her ist, daß Du nicht bei mir gelegen hast.Lieber wollte ich doch in Lumpen gehn und barfuß, wennich nur im Bette gut von Dir behandelt würde, als dasAlles haben und von Dir behandelt werden, wie Du esthust. Vernimm aber, was ich Dir sage, Pietro: ichbin ein Weib so gut als die Andern, und habe die gleicheLust, wie diese. Sorge ich also, ihr Genüge zu schaffen,wenn Du es nicht thust, so trifft mich darum kein Vor-wurf. Wenigstens halte ich noch insoweit auf DeineEhre, daß ich mich nicht mit Straßenbuben und Grind-köpsen einlasse."
Pietro sah wol ein, daß es mit solchen Reden die ganzeNacht kein Ende nehmen würde, und überdies war esihm gar wenig um sie zu thun; drum sagte er: „Frau,nun schweige still davon. Ich sage Dir, daß ich Dichin dieser Sache schon zufriedenstellen will. Von Diraber würde es recht gefällig sein, wenn Du sorgen woll-test, daß wir was zum Nachtessen bekämen, da ich vcr-muthe, daß dieser junge Mensch so wenig als ich zuAbend gegessen hat." „Freilich nicht," sagte die Frau,„freilich hat er noch kein Abendbrot erhalten; denn alsDu zu ungelegener Stunde nach Hause kamst, hatten
9 *