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2 (1843)
Entstehung
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193
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Der Geliebte von Mann und Frau. 193

solch eines Kerles sich selbst zu brandmarken, und zugleichauch noch ihren Mann. So wahr mir Gott helfe, mitsolchen Weibsbildern sollte man gar kein Mitleiden haben;tobt machen sollte man sie und ganz lebendig mitten insFeuer stecken, bis sie zu Asche verbrannt waren."

Inzwischen gedachte sie aber wieder ihres Liebhabers,den sie dort ganz nahe unter dem Hühnerkorbe versteckthatte, und darum sing sie an, dem Pietro zuzureden, daßer doch zu Bett gehen möge, da es schon Schlafenszeitsei. Pietro jedoch hatte mehr Lust zum Esten, als zumSchlafen, und frug sic deshalb, ob nichts zum Abend-brote da sei. Die Frau aber antwortete:Abendbrot!Da hat sich was von Abendbrot! Als ob wir gewohntwaren, Abendessen zu besorgen, wenn Du nicht daheimbist! Ja, wenn ich Ercolano seine Frau wäre! Gehnur, geh, und sieh für heut Abend, daß Du einschläfst;da wirst Du besser daran thun."

Nun traf es' sich, daß an eben jenem Abend einigeArbeitsleute des Pietro mit Sachen für ihn vom Landegekommen waren, und ihre Esel, ohne ihnen zu saufenzu geben, in einen Stall neben jenem Hausflur eingestellthatten. Einer dieser Esel, der an unmäßigem Durstelitt, hatte indessen den Hals aus der Schlinge gezogenund den Weg aus dem Stall nach dem Flure gefunden,wo er jetzt Alles beroch, ob er nicht vielleicht Wasserfände. Bei dieser Gelegenheit stieß er auch auf den Korb,unter dem der junge Bursche steckte. Dieser mußte aufallen Vieren kauern, sodaß die Finger seiner einen Handein wenig unter dem Korbe hervorkamen. Zu seinemGlück, oder Unglück, wie wir es nehmen wollen, geschahcs nun, daß der Esel ihm auf die Finger trat, weshalber über den heftigen Schmerz, den er empfand, laut auf-schrie. Als Pietro das hörte, wunderte er sich und er-kannte wohl, daß dies im Hause gewesen sei. Währendindeß Jener nicht aufhörte zu wehklagen, da der Esel ihmden Fuß noch immer nicht von den Fingern weggenommenDekameron. II. 9