192 Fünfter Tag. Zehnte Geschichte.
er, was Ercolano auch redete, sich nicht zu regen ver-mochte. Da faßt dieser ihn bei einem Beine und zogihn heraus, und lief dann nach einem Messer, um ihntodt zu stechen. Weil ich aber in Folge dieser Geschichteam Ende selber in Untersuchung zu kommen fürchtete,sprang ich auf, und litt nicht, daß er ihn tödtete, oderihm sonst ein Leides zufügte; vielmehr vertheidigte ich ihn,und schrie so lange, bis Nachbarcn herbeikamen und denjungen Menschen, der sich schon ganz verloren gab, ausdem Haufe, wohin, weiß ich nicht, fortbrachten. Sowar denn unser Abendessen gestört, und ich habe es, wieich Dir sagte, nicht einmal gekostet, geschweige denn, wiemeine Absicht war, zu mir genommen."
Als das Weibchen diese Geschichte vernahm, erkanntesie wol, daß auch andre Frauen nicht minder verständigseien, als sie; daß aber auch hin und wieder einmal ein.Unglück dazwischen komme. So hatte sie denn die Fraudes Ercolano wol gerne mit deutlichen Worten verthei-digt; da sie indeß durch den Tadel eines fremden Fehl-trittes von dem ihrigen den Verdacht besser abzulenkengedachte, begann sie folgendermaßen zu reden: „Nun, dassind mir schöne Geschichten! Eine rechte Tugendheldinund saubere Heilige muß ja das sein! So kann mansich auf den Schein der Ehrbarkeit verlassen! Ware ichdoch selber bei ihr zur Beichte gegangen, so fromm undsittsam konnte sie thun. Und was noch schlimmer ist,nachgrade ist sie schon bei Jahren und gibt den Jün-geren solch ein Beispiel! So soll doch die Stunde ver-maledeit sein, wo sie zur Welt kam, und sie selbst nichtminder, daß sie in ihr fortlebt, als solch ein ehrvergesse-nes, verworfenes Geschöpf, als eine gemeinsame Schmachund Schande für alle Frauen in dieser ganzen Stadt!Den Anstand tritt sie mit Füßen und alle Ehre vor derWelt, und bricht die Treue, die sie ihrem Manne gelobthat, einem wackern Manne und ehrenwerthcn Bürger,der so gut gegen sie war, und scheut sich nicht, wegen