Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

Der Geliebte von Mann und Frau. 180

bietet, weit sorglicher wahrnehmen, als die Männer. Siehedoch nur selber, wie es geht: sind wir erst alt geworden,so mag weder Ehemann noch sonst Jemand uns vor Au-gen haben. In die Küche jagen sie uns, damit wir dieKatze unterhalten, oder uns mit dem Zahlen von Töpfenund Schüsseln die Zeit vertreiben. Ja, was noch schlim-mer ist, sogar zum Spotte werden wir; da heißt es:den Jungen Eonfect und Wein; den Alten das Zipper-lein", und was solcher schlechten Reden noch mehr sind.Doch, was soll ich Dich jetzt mit Worten langer Hinhal-ten. Soviel kann ich Dir sagen: Du konntest Nieman-dem Deine Gesinnung offenbaren, der besser als ich Dirzum Ziele zu helfen vermocht hätte; denn kein Mann istso eitel und geschniegelt, daß ich mich nicht getraute, ihmdas Nöthige zu sagen, und keiner so ungehobelt und töl-pisch, daß ich ihn nicht kirre zu machen und wohin ichihn haben will, zu bringen wüßte. So bezeichne mirnur, Wen Du willst, und überlasse dann mir das Wei-tere. Um Eins aber muß ich Dich noch bitten, meineTochter: vergiß mich nicht, und bedenke, daß ich einearme Frau bin; dafür sollst Du aber auch von heute anTheil haben an jedem Ablasse, den ich bekomme, undjedem Paternoster, das ich sage, damit der liebe Gott sieals Kerzen und Lampen für Deine verstorbenen Angehö-rigen aufnehme."

Mit diesen Worten schloß die Alte; das junge Weib-chen aber einigte sich mit ihr dahin, daß wenn sie einenjungen Menschen zu sehen kriegte, der öfters durch jeneStraße käme, und den sie ihr nach vielen Merkmalengenau bczeichnete, sie das Ihrige thun werde. Dann gabsie ihr ein Stück gesalzenen Fleisches und entließ sie mitGott.

Erst wenig Tage waren seitdem vergangen, als dieAlte ihr auch schon den jungen Menschen, den sie ihrbezeichnet hatte, heimlich in die Kammer brachte, undbald darauf einen zweiten und sofort, je nachdem der