Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
188
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188 Fünfter Lag. Zehnte Geschichte.

als den, seine Zeit verloren zu haben, und, zum Geier,wenn wir einmal alt sind, zu was sind wir dann nochauf der Welt zu gebrauchen, als etwa die Asche in derKohlenpfanne zu hüten? Ich weiß davon mitzureden,wenn keine Andere es könnte oder wollte; denn, nun ichalt bin, erkenne ich mit schwerer und bitterer, leider abervergeblicher, Reue, wie schlecht ich meine Zeit genutzthabe. Zwar habe ich die Zeit meiner Jugend nicht soganz und gar verloren (denn ich wünschte nicht, daß Duglaubtest, ich sei eine Gans gewesen); doch that ich beiWeitem nicht, was ich hatte thun können. Sehe ichmich nun an, wie ich gegenwärtig aussehe, daß keinMensch mehr zu bewegen wäre, mir Feuer zu schlagen,und erinnere ich mich, - was ich versäumt habe, so weißGott am besten, wie sehr ich mich grame. Mit dmMännern ist das anders Die Männer sind zu tausen-derlei Dingen bestimmt, nicht blos zu diesem einen, unddie Mehrzahl taugt im Alter viel mehr, als in der Ju-gend. Wir Weiber aber kommen nur zu diesem Zwecke,und um Kinder zu gebären, auf die Welt; nur um des-sentwillen hält man uns werth. Vermöchtest Du diesaus nichts Anderm zu erkennen, so müßte es Dir schondadurch klar werden, daß wir Weiber jeden Augenblick zujener Sache bereit sind, während das bei den Männernkeinesweges der Fall ist. Ucberdies kann ein Weib zehnMänner von Kräften bringen; noch so viele Männer abervermögen nicht, ein Weib zu ermüden. Du siehst also,wir sind dazu geboren, und so wiederhole ich Dir denn,daß Du ganz recht thust, wenn Du mit dem Maße, mitdem Dein Mann Dir gemessen, ihm wieder missest; ent-hülst Du Dich dessen, so mußt Du fürchten, daß einstim Alter Deine Seele dem Fleische über das VersäumteVorwürfe mache. Von dieser Welt hat ein Jeder gradeso viel, als er sich davon zu Nutze macht. Das giltmehr noch als von den Andern, von uns Weibern, undso müssen wir denn die Gelegenheit, so lange sie sich uns