Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
183
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Federigo degli Alberighi und sein Falke. 183

Gedanken an Euren Adel und Eure Trefflichkeit, es seiwürdig und angemessen, so weit meine Kräfte reichten,Euch durch eine werthvollere Speise zu ehren, als diejeni-gen sind, mit welchen man andre Menschen zu bewirthenpflegt. Da gedachte ich des Falken, den Ihr jetzt vonmir begehrt, und wie vorzüglich er sei, und hielt ihn füreine Speise, Euer würdig; so habt Ihr ihn denn heuteMittag gebraten auf der Schüssel gehabt, und ich glaubte,ihm die beste Statte bereitet zu haben- Nun ich abersehe, daß Ihr in andrer Weise seiner begehrtet, ist meinSchmerz, Euren Wunsch nicht erfüllen zu können, soheftig, daß ich nicht glaube, mich je wieder darüber be-ruhigen zu können." Nach diesen Worten ließ er zumBeweise des Gesagten ihr Federn, Fänge und Schnabeldes Falken vorzeigen.

Als die Dame dies Alles hörte und sah, tadelte sieihn anfangs, daß er zur Bewirthung eines Weibes soedlen Falken getödtet habe; dann aber bewunderte sie imStillen die Größe seiner Gesinnung, welche die bittereArmuth weder abzustumpfen vermocht hakte, noch gegen-wärtig vermochte. Da ihr jedoch alle Hoffnung, denFalken zu besitzen, geraubt war, und die Befürchtungenwegen der Genesung ihres Knaben nun in ihr aufstiegen,schied sie voller Betrübniß, und kehrte zurück zu ihremSohne.

War es nun die Wirkung des Verdrusses, daß ihmder Falke nicht gewährt werden konnte, oder war dieKrankheit von der Art, daß sie auch ohne das zu solchemEnde führen mußte, genug, nur wenig Tage verstrichen,als er zum größten Leidwesen seiner Mutter aus diesemLeben schied. In Folge dieses Verlustes blieb sie zwargeraume Zeit in Thränen und Traurigkeit; da sie jedochnoch jung und in den Besitz eines glänzenden Vermögensgelangt war, drängten ihre Brüder sie vielfach, zu einerzweiten Ehe zu schreiten. Obwol sie sich nun dessen amliebsten enthalten hätte, so gedachte sie doch bei solchem