182 Fünfter Tag. Neunte Geschichte.
welcher er darnieder liegt, werde sich, wenn er ihn nichterhält, um Vieles verschlimmern, und eine Wendungnehmen, in Folge deren ich ihn verliere. So beschwöreich Dich denn, nicht bei der Liebe, die Du für michhegst (denn um derentwillen hast Du gegen mich keinerleiVerpflichtung), sondern bei Deiner adligen Gesinnung,welche Du in Hofsitte und Freigebigkeit mehr als irgendein Andrer bewahrt hast, daß es Dir gefallen möge, mirDeinen Falken zu schenken, damit ich sagen könne, Duhabest mir durch diese Gabe das Leben meines Sohneserhalten, und damit er Dir immerwahrenden Dank schul-dig bleibe."
Als Fedcrigo vernahm, was die Dame begehre, undsich dabei bewußt war, ihr nicht genügen zu können, daer ihr den Falken zur Mahlzeit vorgesetzt hatte, Hub erin ihrer Gegenwart, bevor er noch ein Wort der Ant-wort Vorbringen konnte, bitterlich zu weinen an. Anfangsglaubte die Dame, diese Thranen gölten dem Schmerze,sich von dem guten Falken trennen zu sollen, und schonwar sie im Begriff, zu sagen, daß sie ihn lieber nichthaben wolle; doch bezwang sie sich und erwartete Federigo'sAntwort, welcher, nachdem er seine Thränen bemeistert,also sprach: „Madonna, seit es Gott gefallen hat, daßich Euch meine Liebe zuwendete, habe ich bei vielen Ge-legenheiten das Schicksal mir feindlich gesunden und überseine Ungunst mich zu beschweren gehabt; dies Alles aberwar nur gering im Vergleich mit Dem, was mir jetztwiderfährt. Denn wie sollte ich wol mit meinem Geschickeje mich wieder aussöhnen, wenn ich bedenke, daß ich durchseine Tücke, nun Ihr zu meinem verarmten Hause ge-kommen seid, welches Ihr, so lange cs ein reiches war,nie Eures Besuches gewürdigt, außer Stande gesetzt bin,Euch das kleine Geschenk, das Ihr begehret, zu geben.Warum ich dies aber nicht vermag, will ich Euch kurzberichten: Als ich vernahm, Ihr wolltet. Dank sei csEurer Güte, bei mir zu Mittag essen, glaubte ich, im