Federigo degli Alberighi und sein Falke. 181
besinnen, drehte er ihm den Hals um, und ließ ihn danneilig von seiner Magd gerupft und hergerichtet an denSpieß stecken und sorgsam braten. Dann breitete erschneeweiße Tücher, deren ihm noch einige geblieben wa-ren, über den Tisch, und ging mit frohem Gesichte wie-der hinaus zu seiner Dame, um ihr zu sagen, daß dasMittagseffen, so gut er es zu bieten vermöge, bereit sei.So erhoben sich denn die Dame und ihre Begleiterin,gingen zu Tische und verzehrten, ohne zu wissen, was sieäßen, mit Federigo, der sie mit größter Sorgfalt bediente,den guten Falken.
Als sie darauf von Tische aufgestanden waren, undnoch einige Zeit in freundlichen Gesprächen mit ihm ver-bracht hatten, schien es der Dame an der Zeit, Das zusagen, um dessentwillen sie gekommen war, und freund-lichen Blickes zu Federigo gewandt, begann sie also:„Federigo, gedenkst Du Deiner frühem Schicksale undmeiner Sittenstrenge, welche Du vecmuthlich für Harteund Grausamkeit erachtet hast, so zweifle ich nicht, daßDu über meine Dreistigkeit erstaunen wirst, wenn Duvernimmst, warum eigentlich ich hierher gekommen bin.Hättest Du aber Kinder, oder hattest Du deren besessen,sodaß Du die Liebe, die man für sie hegt, zu kennenvermöchtest, so glaube ich mit Zuversicht, daß ich Dirwenigstens zum Theil entschuldigt erscheinen würde. Dubesitzest deren nicht; ich aber, die ich einen Sohn habe,vermag mich dem Gesetze, dem alle Mütter unterliegen,nicht zu entziehn, und sehe mich, zufolge seines Gebotes,genöthigt, gegen meine Neigung, ja gegen Anstand undPflicht, Dich um ein Geschenk zu bitten, von dem ichweiß, wie theuer es Dir ist. Auch hast Du .allen Grund,es so werth zu halten, da die Ungunst des SchicksalesDir keine andre Freude, keine Zerstreuung, keinen Trost,als diesen einen gelassen hat. Dieses Geschenk aber istDein Falke, nach dem mein Knabe so unmäßiges Ver-langen trägt, daß ich fürchten muß, die Krankheit, an