Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
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180
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180 Fünfter Tag. Neunte Geschichte.

auf antwortete Federigo inDemuth:Madonna, ich weißvon keinem Ungemach, das mir je durch Euch zu Theil ge-worden wäre; wol aber von so vielem Heile, daß, wennjemals an mir irgend etwas Lob verdiente, ich dies nurEurer Trefflichkeit und meiner Liebe zu Euch verdanke.Und wahrlich dieser Euer Besuch, den Ihr aus freierGüte mir gewahrt, ist mir, wenn gleich Ihr zu einemdürftigen Wirthe gekommen seid, unendlich viel lieber, alswenn mir die Mittel zurückgegeben waren, die ich zu derZeit besaß, wo ich einst den größten Aufwand machte."Nach diesen Worten führte er sie schüchtern in sein Hausund von diesem in den Garten. Weil er aber sonst Nie-manden hatte, der ihr hier Gesellschaft hatte leisten kön-nen, sagte er:Madonna, da kein Andrer hier ist, sowird dies gute Weib, die Frau des Mannes, der hiermeinen Acker bestellt, während ich den Tisch besorgenlasse, Euch zur Gesellschaft bleiben.

Wie groß nun auch seine Armuth war, so war er bis dahineigentlich noch nicht gewahr worden, wie sein ungeordnetesVerschwenden der frühem Reichthümer ihn Mangel leiden ließ.Diesen Morgen aber, als es ihm an Allem gebrach, umdie Dame zu ehren, der zu Liebe er einst so Unzähligebewirthet und geehrt hatte, erkannte er zuerst seine Dürf-tigkeit. In der peinlichsten Herzensangst lief er wie außersich hin und wieder, und verwünschte sein Schicksal, alser weder Geld noch irgend etwas, das er hätte versetzenkönnen, vorfand. Inzwischen war die Stunde schon vor-gerückt, und so groß auch sein Verlangen war, die edleDame einigermaßen wenigstens zu ehren, so konnte ersich doch nicht entschließen, irgend Jemand, nicht einmalseinen Gartenarbeiter, um etwas anzusprechen. Da sielihm sein guter Falke in die Augen, der im Eßzimmerauf seiner Stange saß, und wie er sonst nirgends eineAushülse zu entdecken vermochte, faßte er ihn, und er-achtete das edle Thier, als er es fett fand, für eine wür-dige Speise solch edler Dame. Und ohne sich weiter zu