Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
179
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Federigo degli Alberighi und sein Falke- 179

er noch überdies seinem Herrn in solcher Weise den Le-bensunterhalt gewährt? Und wie könnte ich so rücksichts-los sein, einem Edelmann, dem sonst keine Freude mehrgeblieben ist, diese seine einzige rauben zu wollen?" Ob-gleich sie nun sicher war, den Falken zu erhalten, sobaldsie darum bäte, antwortete sie doch, von jenen Gedankenbestrickt, nichts auf das Verlangen ihres Söhnlcins undschwieg. Endlich aber trug die Liebe zu dem Knabendennoch den Sieg davon, und, um ihn zufrieden zu stel-len, entschloß sie sich, was auch immer die Folge davonsein würde, nicht zu Federigo zu senden, sondern selberzu ihm zu gehn, um den Falken zu holen. Deshalbsagte sie:Mein Kind, gicb Dich zufrieden, und sorgenur, daß Du gesund wirst; denn ich verspreche Dir, daßmorgen früh mein erster Gang wegen des Falken seinwird, und gewiß, ich werde ihn Dir bringen." Schondiese Antwort erfreute den Knaben so sehr, daß noch andemselben Abend einige Besserung an ihm zu bemer-ken war.

Am nächsten Morgen nahm Monna Giovanna eineandre Dame zum Geleite und lustwandelte mit dieser biszu Federigo's kleinem Häuschen. Zum Vogelstellen wares nicht die Zeit, und schon seit mehren Tagen war ernicht deshalb ausgegangen; so verweilte er denn, als sienach ihm frug, in seinem Garten und, ließ dort gewissekleine Arbeiten besorgen. Wie er vernahm, daß sie anseiner Thür sei und nach ihm verlange, erstaunte er höch-lich und eilte ihr mit ehrfurchtsvollem Gruße freudig ent-gegen; sie aber erhob sich, ihn mit freundlicher Anmuthzu begrüßen, und sprach:Guten Morgen, Federigo!"Dann fügte sie hinzu:Ich bin gekommen, Dir für alledas Ungemach Ersatz zu leisten, das Du seither um mei-netwillen erduldet hast, weil Du mich leidenschaftlicherliebtest, als Dir dienlich gewesen wäre; der Ersatz aberbesteht darin, daß ich mit dieser meiner Begleiterin heutevertraulich bei Dir zu Mittag zu essen gedenke." Hier-