Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
178
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178 Fünfter Tag. Neunte Geschichte.

stammt, in welchem er sein schon ziemlich herangewachse-nes Söhnlein zum Erben aller seiner großen Reichthümerernannte, und auf den Fall, daß der Knabe unbeerbtversterben sollte, diesem die Monna Giovanna, welche erauf das Zärtlichste geliebt hatte, substicuirte. Bald dar-auf starb er, und die Hinterbliebene Witwe zog, sowiees unter den hiesigen Frauen üblich ist, für den Sommerdieses Jahres auf das Land nach einer ihrer Besitzungen,welche Federigo's Gütchen ziemlich nahe gelegen war. Sotrug eS sich denn zu, daß jener Knabe, der an Hundenund Vögeln seine Freude hatte, mit Federigo vertrautward. Als er nun dessen Falken öfters hatte fliegen sehn,fand er an ihm so überschwänglichen Gefallen, daß er ihnzu besitzen höchlichst begehrte; doch traute er sich nichtdarum zu bitten, da er wohl sah, wie werth er dem Fe-decigo sei.

Um diese Zeit ereignete es sich, daff der Knabe er-krankte. Die Mutter, die nur dies eine Kind hatte undes von ganzer Seele liebte, betrübte sich unsäglich, undwie sie den ganzen Tag um den Kranken geschäftig war,sprach sie ihm guten Muth ein, und fragte ihn, unterdringenden Bitten, es ihr zu sagen, ob er denn nichtvielleicht nach irgend etwas Verlangen hege; sie wolle ja,wenn es nur irgend möglich sei, sicher Sorge tragen, daßsie cs ihm verschaffe. Schon mehrmals hatte der krankeKnabe diese Anerbietungen vernommen, als er endlich ant-wortete:Mutter, könnt Ihr machen, daß ich Federigo'sFalken erhalte, so glaube ich in Kurzem wieder gesund zuwerden." Eine Zeillang, nachdem sie diese Worte ver-nommen, blieb die Edeldame in sich gekehrt, und erwog,was sie thun solle. Sie wußte wohl, daß Federigo siclange geliebt hatte, ohne von ihr jemals auch nur einenBlick zu erlangen; daher sagte sie bei sich selber:Wiedarf ich zu Federigo wegen dieses Falkens senden, odergar selbst deshalb zu ihm gehn, da, wie ich höre, dieserFalke der edelste ist, der je einem Jäger diente, und da