Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
177
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Federigo degli Alberighi und sein Falke. 177

Nachbarn als auch Fremden von vergangenen Ereignissenoftmals zu erzählen, wie er denn solches geordneter, mitgrößerem Redeschmuck und treuerem Gedächtniß als irgendein Andrer zu thun verstand. -

Unter andern schönen Geschichten pflegte er nament-lich auch zu erzählen, daß einst in Florenz ein jungerEdelmann, Federigo di Messer Filippo Alberti genannt,gewesen sei, den man in ritterlichen Uebungen und adlichenSitten höher gehalten habe als irgend einen seiner Stan-desgenossen in Toscana. Wie es nun edlen Jünglingenzu widerfahren pflegt, so verliebte sich auch Federigo inein adliches Fräulein, Namens Monna Giovanna, welchezu jener Zeit für eine der holdseligsten und schönsten inFlorenz gehalten ward, und um ihre Liebe zu gewinnen,scheute er in Turnieren und Kampsspielen keinerlei Auf-wand, richtete Feste her und theilte Geschenke aus, ohneseines Vermögt irgend zu achten. Die Dame aber,welche eben so sittsam war, als schön, kümmerte sich sowenig um dies Alles, das ihr zu Ehren geschah, als umDenjenigen, von dem es ausging.

Da Federigo jedoch über seine Kräfte hinaus großeSummen verthat und nichts erwarb, verfiel er in Kurzemin solche Armuth, daß er von allen seinen Besitzthümernnichts behielt, als ein kleines Bauerngut, dessen Einkünfteihm kümmerlichen Unterhalt gewährten, und einen Falken,wie es kaum einen edleren auf der Welt geben mochte.Inzwischen war seine Liebe zwar nur noch glühender ge-worden, als zuvor; da er jedoch als Städter nicht mehrso wie er es gewünscht hätte, leben zu können glaubte,zog er sich auf das Land zurück, und ertrug dort, wosein Gütchen belegen war, ohne Jemandes Hülfe anzu-sprechen, unter Vogelstellen geduldig seine Armuth.

Während nun Federigo's Vermögensumstände sich sosehr verschlechtert hatten, geschah cs, daß der Gemahl derMonna Giovanna schwer erkrankte; und als er gewahrward, daß es mit ihm zu Ende gehe, machte er ein Te-

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