176 Fünfter Tag. Neunte Geschichte.
Neunte Geschichte.
Fedcrigo bcgli Alberighi liebt, ohne Gegenliebe zu finden. Erverzehrt in ritterlichem Aufwand sein ganzes Vermögen, sodassihm nur ein einziger Falke bleibt. Diesen seHt er, da er nichtsAndres hat, seiner Dame, die ihn zu besuchen kommt, zum Essenvor. Sie aber ändert, als sie dies vernommen, ihre Gesinnung,nimmt ihn zum Manne und macht ihn reich.
^chon hatte Philomela zu reden aufgehört, und, da dieKönigin wahrnahm, daß außer dem Dioneus, in Folgeseines Vorrechtes, Niemand mehr zu reden hätte, begannsie mit heiterem Gesichte: „So ist es denn nun an mirzu erzählen, und ich genüge gern meiner Pflicht, indemich Euch, ihr lieben Mädchen, eine Geschichte mittheile,die der vorigen einigermaßen ähnlich ist. Ich thue dies,nicht allein, damit Ihr erkennet, welche Macht Eure An-muth über edle Herzen üben könne, sondern damit Ihrabnehmet, wie Ihr Eure Gunstbezeugungen, da wo essich geziemet, von selbst gewähren, nicht aber Euch vom Glückeleiten lassen solltet, welches nicht nach verständiger Wahl,sondern, wie es sich eben trifft, in den meisten Fällenohne rechtes Maß seine Gaben zu verleihen pflegt.
So sollet Ihr denn wissen, daß in jüngst verwichcnerZeit ein Mann, Namens Coppo di Borghese Domenichiin unserer Stadt lebte und vielleicht heute noch lebt, derbei Allen eines großen und ehrenvollen Ansehens genoß,und weit mehr noch als wegen des Adels seines Blutesund seiner Tugenden und erlesenen Sitten willen gefeiertund allgemeinen Ruhmes würdig war. Dieser fand nunin seinen späten Jahren Gefallen daran, sowol seinen