174 Fünfter Tag. Achte Geschichte.
geliebte Mädchen zur Einwilligung und Theilnahme zubestimmen, so kam sie doch mit den Uebrigen zum Feste.
Nastagio ließ verschwenderisch zum Mittagsmahle Her-richten, und die Tafeln unter den Pinienbäumcn ringsum die Stelle ordnen, wo er die Strafe des hartherzigenWeibes mit angesehn hatte. Dann wieß er Männernund Frauen ihre Plätze an, wobei er den Sitz seiner Ge-liebten so gewählt hatte, daß der Fleck, an dem er dieWiederholung jenes Schauspiels erwartete, ihr grade ge-genüber war.
Schon war man bis zum letzten Gerichte gediehen,als das Geschrei des gejagten Mädchens zu Aller Ohrenzu dringen begann. Alle befremdeten jene angstvollenLaute, Jeder frug, woher sie rührten, aber Keiner ver-mochte Auskunft zu geben. Aufgeschreckt erhoben sich Alleund schauten unverwandt nach der Seite, von der dasGeräusch kam; da gewahrten sie das jammernde Mädchen,den Ritter und die Hunde, und alsbald waren diese Allemitten unter den Gästen. Mit heftigen Scheltwortenwehrten diese sowol dem Ritter als den Hunden, undViele traten vor, um dem Mädchen beizustehn. Die Er-zählung des Ritters, die er ihnen fast in denselben Wor-ten wiederholte, mit denen er früher zu Nastagio gespro-chen hatte, machte sie indeß nicht nur von ihrem Vorhabenabstehn, sondern erfüllte sie mit Staunen und Entsetzen.Unter den anwesenden Damen waren viele dem wehkla-genden Mädchen, andre dem Ritter verwandt, und erin-nerten sich seiner Liebe und seines Todes; alle aber wein-ten, als dieser sein grausames Beginnen, so wie neulich,vollführte, eben so bitterlich, als wäre das Gleiche ihnenselber geschehn.
Als nun Alles zu Ende gebracht und der Ritter ver-schwunden war, sprachen Diejenigen, die dem Schauspielzugesehn hatten, noch viel und mancherlei darüber. Ammeisten aber vor den Andern hatte Nastagio's spröde Ge-liebte sich entsetzt; denn im Andenken an die Grausamkeit,