Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
173
Einzelbild herunterladen
 

Die gespenstische Mädchenjagd. 173

herausfuhr. Weinend und winselnd siel die Accmste vondiesem Stoß zu Boden; der Ritter aber griff zu einemMesser, klappte es auf und öffnete Jener damit die Seite.Dann weidete er ihr das Herz und was um dieses herlag, aus, und warf es den Hunden vor, die cs heiß-hungrig verschlangen. Wieder aber dauerte es nicht lange,so erhob sich das Mädchen, als sei nichts von dem Allengeschehn, und begann nach der Richtung des Meeres ihreFlucht aufs neue. Hinter ihr her stürmten abermals dieHunde, die nicht abließen, sie zu zerfleischen. Auch derRitter saß, den Degen in der Faust, wieder zu Pferde,und so schnell stürmten Flucht und Verfolgung dahin,daß nach wenig Augenblicken Nastagio nichts mehr vonAllem gewahr ward.

Noch lange, nachdem dies Schauspiel an ihm vorüber-gezogen war, weilte er zwischen Mitleiden und Furchtgetheilt; dann aber gedachte er plötzlich, wie dies Ereigniß,da es alle Freitage sich wiederhole, geeignet sei, ihn inseinen Wünschen wesentlich zu fördern. So merkte ersich denn die Stelle, und ließ, zu seinem gewöhnlichenAufenthalte heimgekehrt, mehre seiner Angehörigen undFreunde aus Ravenna zu sich entbieten.Wohlan," sagteer zu ihnen, als sie gekommen waren,schon lange seidIhr in mich gedrungen, daß ich von der Liebe zu jenermeiner Feindin erblassen und in meisten übermäßigen Aus-gaben einhalten möge. Jetzt bin ich bereit, es zu thun;jedoch unter der Bedingung, daß Ihr zuvor noch MesserPaolo Tcaversari dazu bewegt, in Begleitung seiner Frauund Tochter und aller ihrer Verwandtinnen am nächstenFreitag mit Euch und den andern Damen, die Ihr wäh-len möget, das Mittagsessen hier bei mir einzunehmen.Warum ich dies verlange, werdet Ihr alsdann erfahren."Jene achteten dies Begehren für kein großes, und so lu-den sie denn, nach Ravenna zurückgekehrt, als es ihnenan der Zeit schien, die im Voraus verabredeten Personen.War es nun auch nichts Leichtes, das von Nastagio