Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
172
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H2 Fünfter Lag. Achte Geschichte-

hin gelangte, wurde ihr und mir die Strafe auferlegt,daß sie vor mir fliehen, ich aber sie, die sonst so heißgeliebte, nicht wie den Gegenstand meiner Liebe, sondernwie meine Todfeindin verfolgen muß. So oft ich sie als-dann erreiche, so oft durchbohre ich sie mit diesem selbenDegen, mit dem ich einst mich umgebracht, öffne, wieDu sogleich gewahren wirst, mit dem Messer ihr die Seite,reiße das harte, kalte Herz, in das weder Liebe noch Mit-leiden den Eingang zu finden wußten, stimmt den übrigenEingeweide» aus ihrem Leibe, und werfe cs den Hundenhier zum Fräße vor. Dann vergehn nur wenig Augen-blicke und sie ersteht, nach Gottes gerechtem Rathschluß,durch seine Allmacht nicht anders vom Boden, als^ ob sie nie getödtet wäre, und alsbald beginnen 'die kläg-liche Flucht, der Hunde und meine eigne Verfolgung vonneuem. Da geschieht cs denn, daß ich sie jeden Freitagum die jetzige Stunde an diesem Platz einhole, und, sowie Du sehn wirst, sie mishandle; doch wahne ja nicht,daß wir die andern Tage ruhen, sondern wisse, daß ichsie dann auf andern Punkten, an denen sie Grausamkei-ten gegen mich ersann oder vollführte, verfolge und er-reiche. Weil ich nun aus einem zärtlich Liebenden ihrFeind geworden bin, muß ich eben so viel Jahre sie i»dieser Weise verfolgen, als sie Monate lang hartherziggegen mich gewesen ist. Laß mich also den Befehl dergöttlichen Gerechtigkeit vollziehen, und versuche keinen Wi-derstand gegen Das, was Du nicht hindern kannst."

Von diesen Worten ganz verschüchtert, trat Nastagio,dem sich jedes Haar am Leibe sträubte, die Augen aufdas unglückliche Mädchen gewendet, zurück, und harrteangstvoll, was der Ritter vornehmen werde. Dieser aberstürzte beim Ende seiner Rede gleich einem wüthendenHunde auf das Mädchen los, welche, von den zwei Rü-den festgehalten, auf ihren Knien um Gnade rief, undstieß ihr mit aller Macht den Degen, den er in der Handhielt, mitten durch die Brust, daß ec zum Rücken wieder