Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
169
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Dic gespenstische Mädchcnjagd. 160

viel älterem und besserem Geschlechts war, als die seinige,durch seine Bemühungen, ihr zu dienen, dennoch allmäligsie zu gewinnen. So unermüdlich, lobenswerth und groß-artig aber auch diese letztem waren, nützten sie ihm dem-ungeachtet nicht allein nichts, sondern es schien vielmehr,als ob sie ihm Schaden brachten, so hart, so unfreundlichund widerwillig bewies sich ihm das geliebte Mädchen,die vielleicht um ihrer vorzüglichen Schönheit, oder umihres Adels willen so hochmüthig und ungefüge geworden,daß sie weder ihn, noch was ihm irgend lieb war, leidenkonnte. Diese Gesinnung der Geliebten wußte Nasiagioso wenig zu ertragen, daß er nach vielen Klagen mehrals einmal im Begriffe war, vor Schmerz das Leben sichzu nehmen. Wenn er sich aber dennoch solch einer Thatenthielt, so setzte er dann sich oftmals vor, sie völlig auf-zugeben, oder wo möglich sie eben so zu hassen, wie ervon ihr gehaßt ward. Alle diese Vorsätze indeß bliebeneitel, denn es war nicht anders, als ob seine Liebe umso mehr wüchse, jemehr die Hoffnung verschwand.

Wie nun der junge Mann auf solche Weise beharrlichseine Liebe verfolgte, und in seinen übermäßigen Ausgabenfortfuhr, dünkte es einigen seiner Angehörigen und Freunde,daß er dabei sich selbst und sein Vermögen bald verzehrthaben werde. Deshalb riethen sie ihm denn mehrmals,und baten ihn, daß er Ravenna verlassen und auf einigeZeit an irgend einem andern Orte sich aufhalten möge,weil, wie sie meinten, auf solche Weise seine Liebe sowolals seine Ausgaben abnehmen würden. Nastagio spottetezwar öfters über diesen Rath; da er aber auf ihre vielenErmahnungen doch nicht füglich immer mit nein ant-wortenkonnte, sagte er es ihnen endlich zu, und ließ auchin der That nicht geringere Reisevorkehrungen treffen, alsob er nach Frankreich, Spanien oder sonst einem entfern-ten Lande hätte ziehen wollen. Als er aber endlich zuPferde gestiegen war, und, begleitet von seinen zahlreichenFreunden, Ravenna verlassen hatte, ritt er nach Chiassi,Dekamcron. II. 8