Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
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164
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164 Fünfter Lag. Siebente Geschichte.

also führten, vor einem Gasthause vorüber, in welchemdrei Edelleute aus Armenien wohnten. Es waren näm-lich diese Drei von dem Könige von Armenien als Gesand-ten nach Rom geschickt, um mit dem Papste wichtige An-gelegenheiten wegen eines neu zu unternehmenden Kreuz-zuges zu verhandeln. Jetzt aber hatten sie sich einige Tagelang in Trapani verweilt, um sich auszuruhen und zustarken, und waren von den vornehmeren Einwohnern derStadt, besonders aber von Messer Amerigo, auf das eh-renvollste ausgenommen und bewirthet worden.

Wir nun die drei Edelleute den Zug vorübergehn hör-ten, in dem Pietro gebracht ward, traten sie ans Fenster,um zuzusehen. Pietro war vom Gürtel an völlig entklei-det und hatte die Hände auf den Rücken gebunden, undso konnte denn der Eine dieser drei Abgesandten, der Phi-neus hieß und ein bejahrter Mann von großem Ansehenwar, deutlich auf des jungen Mannes Brust einen große»brennend rochen Fleck wahrnehmen, der nicht von vorüber-gehender Färbung herrührte, sondern von Natur der Hautselber inwohnte, der mit andern Worten ein Muttermahlwar, wie wir es zu nennen pflegen. Beim ersten Anblickdieses Mahles gedachte PhincuS aber sogleich seines Soh-nes, der ihm nun bereits vor 15 Jahren an dem Strandevon Lajazzo durch die Corsaren geraubt worden war, ohnedaß er je weitere Nachricht von ihm erhalten hätte; undwenn er das Alter des Unglücklichen, der da gepeitscht,ward, überschlug, so däuchte es ihm, daß sein Sohn,wenn er noch am Leben wäre, jetzt in denselben Jahren feinmüßte. Dies Alles bestärkte ihn in der Vermuthung, diejenes Mahl zuerst in ihm erregt hattte; weil er aber da-für hielt, daß wenn es wirklich sein Sohn sei, dieser sichgewiß seines eignen sowol als des väterlichen Namensund der armenischen Sprache erinnern werde, so rief er,als der Verurtheilte ihm ganz nahe gekommen war:Theo-dor!" Kaum hatte Pietro diesen Namen vernommen, soblickte er auf; Phineus aber fragte ihn auf Armenisch;