Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
162
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162 Fünfter Tag. Siebente Geschichte.

längs es nur immer möglich gewesen, verborgen gehaltenhatte, so fühlte sie doch am Ende selbst, wie das An-schwellen ihres Leibes fernere Heimlichkeit unmöglich machte,und gestand eines Tages unter raufend Thränen und Bit-ten, Erbarmen mit ihr zu haben, ihrer Mutter den Zu-stand, in dem sie sich befand. Die Mutter kannte sichkaum vor Zorn, und verlangte mit den härtesten Worten,daß sie ihr gestehen solle, wie Alles sich zugetragen. Umindes ihrem Pietro keine Ungelegenheiten zu bereiten, er-fand das Mädchen sich eine Fabel, die sie der guten Dameanstatt der Wahrheit aufband. Diese glaubte denn auchwirklich, was ihr erzählt ward, und schickte die Tochter,um ihren Fehltritt geheim zu halten, fort auf eines ihrerGüter.

Wie nun aber die Zeit der Niederkunft herangekom-men war, und die Wöchnerin nach Weiber Art eben inden Wehen schrie, traf es sich, daß, wo die Mutter essich am wenigsten versah, Messer Amerigo, der dies Land-haus bis dahin fast noch niemals besucht hatte, auf derHeimkehr vom Vogelstellen an dem Zimmer vorüberritt,wo seine Tochter kreischend lag und voll Erstaunen überihr Geschrei, plötzlich eintrat, um nach der Ursache davonzu fragen. Als die Mutter sich nun so von ihrem Manneüberrascht sah, erhob sie sich betroffen und erzählte ihm,was sich mit ihrer Tochter zugetragen. Messer Amerigoaber antwortete, minder leichtgläubig als seine Frau ge-wesen war, das könne nicht an dem sein, daß das Mäd-chen nicht wissen sollte, von wem sie schwanger sei. Erverlange durchaus die Wahrheit zu wissen, aufrichtigesBekenntnis sei das einzige Mittel zur Verzeihung; ohnedas könne sie sicher sein, daß sie ohne Barmherzigkeit ster-ben müsse. Zwar gab die Mutter sich alle Mühe, ihremManne die Fabel, die sie ihm erzählt hatte, einzureden,doch half ihr das zu nichts. Vielmehr stürzte er im höch-sten Zorne mit bloßem Degen über das Mädchen her,die, während die Mutter ihn noch mit Worten hingehalten,