160 Fünfter Lag. Siebente Geschichte-
Messer Amerigo hatte, kaum eine Meile von derStadt entfernt, eine gar schöne Besitzung, welche seineFrau mit ihrer Tochter und mit andern Damen und Wei-bern oft zu ihrer Erholung zu besuchen Pflegte. Als sienun eines Tages, wo sie den Pietro mit sich genommenhatten, hier verweilten, traf es sich, wie wir es häufig imSommer geschehn sehn, daß der Himmel sich plötzlich mitfinstern Wolken umzog. Um von dem Unwetter nichtdort draußen überfallen zu werden, machte die Dame sichmit ihrer Gesellschaft sogleich und so eilig, als sie nurkonnten, auf den Rückweg nach Trapani. Pietro aberund das Mädchen überholten, weil sie Beide jung waren,die Mutter und die andern Gefährtinnen, die bei ihr blie-ben, um Vieles, und vielleicht war es eben sowol als dieFurcht vor dem Gewitter, die Liebe, welche ihre Schrittebeflügelte.
Schon mochten die beiden jungen Leute vor der übri-gen Gesellschaft so weit voraus sein, daß sie kaum mehrgesehn werden konnten, als es so heftig zu donnern undso dichter und schwerer Hagel zu fallen begann, daß dieDame mit ihrer Begleitung nur eben noch im Standewar, sich in das Haus eines Landmannes zu flüchten.Pietro und das Mädchen aber suchten, weil sie in derEile keinen andern Zufluchtsort finden konnten, in einemalten und fast ganz verfallenen Hause, das von Nieman-dem mehr bewohnt ward, Schutz. Das Dach dieses Hau-ses war so beschädigt, daß nur ein kleiner Theil davonnoch vorhanden war und die beiden jungen Leute, die sichunter diesen Rest flüchteten, durch die Enge dieses geschütz-ten Raumes einander zu berühren genöthigt wurden.
So nahe Berührung ermuthigte die Liebenden, sichihre liebevollen Wünsche zu gestehn, und Pietro begannzuerst: „Wollte nur Gott, daß dieser Hagel nie ein Endenähme, wenn ich, so lange er dauert, so wie jetzt, bleibendürfte." „Ach, das wär ich wol auch zufrieden," sagtedarauf das Mädchen; und von solchen Reden gingen sie