Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
159
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Theodor und Violantc.

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und nahm dabei, mehr von seiner inner» Natur, als vonder Lage, in welche der Ausall ihn versetzt hatte, geleitet,ein so gefälliges Betragen und so gute Sitten an, daßMesser Amerigo ihn wegen des Wohlgefallens, das er anihm fand, aus der Knechtschaft freiließ. Dann ließ er ihnauch, in der Voraussetzung, daß er ein Türke sei, mitdem Namen Pietro taufen, machte ihn zu seinem Haus-hofmeister und verließ sich vollkommen auf ihn.

Wahrend aber die übrigen Kinder des Messer Amerigoheranwuchsen,, kam auch eine seiner Töchter, die Violantegenannt ward und ein gar schönes und zierliches Mädchenwar, zur Reife, und da der Vater eine Weile anstand,sie zu verheirathen, wollte der Zufall, daß sie sich in Pie-tro verliebte. So sehr sie ihn aber auch liebte und sohohe Meinung sie von seinen Sitten und seiner Tapfer-keit hegte, so scheute sie sich dennoch, ihre Neigung ihmzu offenbaren.

Binnen Kurzem indeß that Amor es an ihrer Stelle.Denn nachdem auch Pietro sie einige Male aufmerksamerbetrachtet, hatte er sich ebenfalls solchergestalt in sie verliebt,daß er sich unglücklich fühlte, so lange er nicht mit ihrzusammen war, doch fürchtete auch er sich, daß irgendJemand diese Liebe, die er selber für eine unerlaubte hielt,gewahr werde. Das Mädchen aber erriech, weil sie ihmwohl wollte, bald seine Gesinnung und zeigte sich ihmdaher, um ihm Much zu machen, wie sie es auch wirk-lichwar, über seineAufmerksamkeiten ausnehmend erfreut. Sowahrte es denn lange Zeit, daß sie Beide, so großes Verlangensie auch danach trugen, dennoch sich nicht getrauten, dasMindeste über ihre Neigung zu einander zu sagen. Endlichwußte das Ohngefähr, während sie Beide noch gleichmäßigin den Flammen der Liebe entbrannt, sich verzehrten, alswenn es alle Umstände absichtlich zu dem Ende herbeige-tührt hätte, Mittel und Wege zu finden, durch welche sieüber die scheue Furcht, die sie besangen machte, hinweg-kamen.