Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
157
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Gian von Procida und Restltuta. 157

lassen. Der junge Mann ist ein Sohn des Landolfo vonProcida, der selber ein leiblicher Bruder eben des MesserGian von Procida ist, durch dessen Hülfe Du König die-ser Insel bist. Das junge Mädchen aber ist eine Tochterdes Marin Bolgaro, dessen Ansehen Du es allein zu dan-ken hast, wenn Deine Herrschaft über Jschia noch aner-kannt wird. Ueberdies sind das ein paar junge Leute, diesich schon seit lange untereinander lieben und nur von derGewalt der Liebe bezwungen, keineswegs aber um DeineMajestät zu kranken, sich jenes Vergehens (wenn andersein Vergehen genannt werden kann, wozu die Liebe jungeLeute führt) schuldig gemacht haben. Warum also schickstDu Die zum Tode, die Du mit erlesenen Aufmerksamkei-ten und Geschenken ehren solltest?"

Wie der König diese Rede vernahm und deutlich er-kannte, daß Ruggieri die Wahrheit sagte, stellte er nichtallein sein grausames Verfahren ein, sondern bereute auch,was er bis dahin gethan hatte. Alsbald befahl er, daßdie beiden jungen Leute vom Pfahle losgebunden und vorihn gebracht werden sollten; und so geschah es. Dann aberdachte er darauf, wie er, da ihm nun alle ihre Umstandebekannt geworden waren, durch Ehrenbezeigungen undGeschenke das ihnen angethane Unrecht wieder gut machenkönnte. Zu dem Ende ließ er sie zunächst auf das an-ständigste wieder bekleiden und feierte dann, da er hörte,daß Beide in ihren Wünschen übereinstimmten, die Ver-lobung zwischen Gianni und dem jungen Mädchen. Docherst als er ihnen prachtvolle Geschenke gegeben hatte, schickteer sie zu ihrer großen Zufriedenheit in ihre Heimat zu-rück, in der sie mit lautem Jubel empfangen wurden unddann noch lange in Lust und Freuden miteinander lebten."