156 Fünfter Tag. Sechste Geschichte-
ganze Geschichte ausführlicher erzählen, und wollte, wie erAlles gehört hatte, von dannen gehn; Gianni aber riefihn zurück und sagte ihm: „Ach! mein werther Herr, wennes Euch möglich ist, so erwirkt mir Eine Gnade von Dem,um desscntwillen ich also hier stehen muß." Ruggieri fragte,was für eine? Gianni aber antwortete: „Ich sehe wohl, daßich hier und binnen Kurzem sterben muß. Nun erbitte ich miraber zur Gnade, daß, ebenso wie ich jetzt mit dem Rücken ge-gen das Mädchen gewandt bin, die ich mehr als mein Le-ben geliebt habe, und sie mich nicht minder, wir mit denGesichtern gegeneinandergekehrt werden mögen, auf daß ichnoch im Tode in dem Anblick ihrer Züge Trost und Frie-den finden möge." Ruggieri erwiderte lächelnd: „Daswill ich gerne thun und will es schon dahin bringen, daßDu sie noch bis zum Ucberdrufse sehn sollst." Damitverließ er ihn, und gebot Denjenigen, die beauftragt waren,jene Hinrichtung ins Werk zu setzen, daß sie, bevor sienicht neue Befehle vom Könige erhalten haben würden,nichts Weiteres thun sollten.
Dann aber ging er gerades Weges zum Könige undscheute sich, so sehr er ihn auch erzürnt sah, nicht, ihmüber Das, was er so eben erfahren hatte, unverholen seineMeinung zu sagen. „Mein König," begann er, „wodurchhat das junge Paar, das auf Deinen Befehl dort untenauf dem Platze verbrannt werden soll, Dich beleidigt?"Der König gab ihm Auskunft und Ruggieri fuhr daraufalso fort: „Das Vergehen, dessen sie sich schuldig gemacht,verdient allerdings solche Ahndung, nicht aber von Dir;denn, wie den Missethaten Strafen gebühren, so auch denWohlthaten Belohnungen; von Gnade und von Erbar-men gar nicht einmal zu reden. Weißt Du denn auch,wer die Beiden sind, die Du verbrennen lassen willst?"„Nein," erwiderte der König. „So sollst Du esdenn erfahren, sagte Ruggieri darauf, „damit Du erken-nen mögest, wie wohlgethan es war, von den Auf-wallungen Deines Zornes solchergestalt Dich Hinreißen zu